In unserer modernen, schnellen und technisierten Welt muss alles immer effizienter und folglich auch computerisiert laufen.
Menschen sind leider zu menschlich um den hohen Anforderung an Ordnung und Sicherheit gerecht zu werden, die wir an unsere Gesellschaft stellen. Das Bundesverfassungsgericht hat dem zum Glück noch etwas entgegen zu stellen…

Der Mensch ist zu dumm, um sein Kreuz an der richtigen stelle zu setzen, das wissen wir schon lange.
Schlimm sind auch diese elenden Wahlabende, an denen man von 18h bis spät in die Nacht mit unliebsamen Freunden oder Parteigenossen zusammen vor den Fernsehbildschirmen und Leinwänden hockt, literweise billigen Sekt in sich hinein kippt und bei jeder neuen Hochrechnung in Jubel ausbricht oder die Faust schüttelt.

Also her mit der modernen Technik. Die Wahl per Wahlcomputer wird von ihren Befürwortern als schnell und unkompliziert beschrieben, einfacher für Menschen mit Einschränkungen, das Auszählen geht viel schneller und sogar für Politikverdrossene ist gesorgt, denn ungültig wählen geht auch!

Die Debatte über Wahlcomputer ist ja nichts neues, schon vor einigen Jahren, bei diversen Wahlen in den USA kursierten Berichte über manipulierte (bzw. manipulierbare) Wahlcomputer und viele professionelle Hacker warnen nicht erst seit gestern vor dem Einsatz dieser Geräte.

Das das Bundesverfassungsgericht die Wahlcomputer für verfassungswidrig erklärt hat ist einleuchtend, aber noch nicht umfangreich genug, denn die Begründung lautet:
„Da Programmierfehler oder gezielte Manipulation der Software schwer zu erkennen seien, müssten Bürgern bei ihrer Stimmabgabe „zuverlässig“ prüfen können, ob die Stimme vom Computer „unverfälscht“ erfasst wurde.“ (Tagesschau.de 03.03.09)
Dies könnte mit einem Ausdruck der abgegebenen Stimme(n) umgangen werden. Die Möglichkeit der Manipulation der Ergebnisse nach Abgabe der stimmen, zB durch das Anzapfen der Übertragung vom Wahllokal zur Wahlleitung ist darin nicht enthalten.

Wie auch immer sich die Computerisierung der Wahlen in den nächsten Jahren ändern wird, die Wahl in der heutigen Form hat auch etwas rituelles. Ich mag es, in der Wahlkabine zu sitzen und die vielen Zettel nochmal genauestens zu Studieren, um dann meinen Zettel in die Urne einzuwerfen.
Außerdem würde ich die kollektiven Hochs und Tiefs auf den Wahlpartys nach Bekanntgabe der Hochrechnungen wirklich vermissen, auch wenn’s nicht läuft wie geplant und besonders wenn’s gut läuft!