Als einen „Schwarzen Tag für Studierende“ beschreibt der AStA der Universität Göttingen in einer Pressemitteilung den 29. April 2009.
An diesem entschied das Oberverwaltungsgericht in Leipzig, dass Studiengebühren (weiterhin) rechtmäßig seien.

Doch dies war abzusehen und auch in Zukunft wird sich daran nicht viel ändern, wenn wir in Deutschland in diesem „Superwahljahr“ kein Zeichen dagegen setzen.
(Landtagswahlen in Niedersachsen sind leider erst wieder 2012…)

Studiengebühren Nutzen

Aber darum geht es mir heute nicht. Vielmehr frage ich mich, was wir aus der Tatsache machen, dass es die Studiengebühren gibt.

Erste Prämisse sollte die so genannte „Verbesserung der Lehre“ sein. Darüber sind sich auch die Gesetzgeber einig.

Doch was könnte das heißen?
Eine Option wäre es, durch Studiengebühren mehr Materialien (zB Kopien) kostenlos für die Studenten zur Verfügung zu stellen. Eine andere Möglichkeit wäre es, mehr Dozenten einzustellen, die mehr Veranstaltungen anbieten, um die überfüllten Hörsäle zu entlasten und die Vorlesungen und Seminare interaktiver zu gestalten. Eine dritte Möglichkeit wäre es neue Hörsäle zu bauen, die eine angenehmere Lernatmosphäre bieten und den Raummangel an der Universität entspannen. Zu guter letzt wäre zumindest schon mal ein dritter Drucker im CiP-Pool eine lohnenswerte Anschaffung, um die sehr langen Wartezeiten in der Druckschleife zu Stoßzeiten ein zu dämmen.

Alles sehr schöne Vorschläge, logisch, unkompliziert und sinnvoll…

Doch wird davon irgend etwas umgesetzt? Im Gegenteil!

Hochglanz für die Elite

Was das Universitätpräsidium mit ihrem Geld macht ist sowieso ein Thema für sich, hier werden Professoren, die eine gute Lehre machen wollen eher bedrängt, da die Gehälter sich nach der Anzahl der Veröffentlichungen richtet und nicht nach der Lehre (siehe hierzu auch SZ 04.05.09 „Fälschen und Forschen“).

Doch auch die Studenten (der AStA) setzen die ihnen direkt zur Verfügung gestellten Geldmittel so ein, dass davon nur ein kleiner elitärer Teil der Studierendenschaft profitiert.
Ein Beispiel: Heute Vormittag laufe ich durch das Zentrale Hörsaalgebäude (ZHG) und sehe ein riesiges Banner aus PVC in der Halle hängen, auf dem Werbung für eine Casino-Party im „AStA-Club“ Vertigo (Platz für 400 Pers.) gedruckt wurde. So ein Banner drucken zu lassen kostet min. 150 Euro. Von diesem Geld könnte man ebensogut die Monatsmiete für einen bedürftigen Studenten in einem Studentenwohnheim finanzieren.
Derartige Plakate sieht man in der Uni häufig, und immer „nützen“ (wem nützt derartige Werbung überhaupt?) immer nur einer kleinen Gruppe (und diese Gruppe ist immer die gleiche, da der AStA von dieser Dominiert wird).
Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass sich das Banner lohnt, da der AStA bei dieser Party auch Geld wieder einnimmt, aber Mehreinnahmen für einen sinnvollen Zweck einzusetzen wäre doch viel besser und so ein Plakat kann man auch schön selber machen.

Apropos „AStA-Club“

Gerade erwähnte ich schon die übertriebene Werbung für die Party im AStA-Club, da kann ich auch noch einmal auf die unsinnigkeit des ganzen Projektes eingehen.
Der besagte Club wurde unter breitem Protest von großen Teilen der Studierendenschaft unter Aufwendung erheblicher finanzieller Mittel (finanziert natürlich aus Studiengebühren) im Keller eines Universitätsgebäudes gebaut.
Einmal davon abgesehen, dass besagtes Gebäude vor wenigen Jahren sehr schnell und billig gebaut wurde (geringe Halbwertszeit in Kauf genommen) und letztes Jahr sehr Teuer renoviert wurde, ist dieser Partyraum viel zu klein um eine Party auf Instituts oder Fachschaftsebene darin zu feiern. Der AStA hat sich in Knebelverträge mit Getränkelieferanten freiwillig zwängen lassen (es gibt immer das gleiche Bier) und Geld für Schnickschnack (begehbarer Kühlschrank) ausgegeben.

In diesem „Club“ Feiert (sich) also jetzt die AStA-Elite (WiWis und Juristen mit Geld von Papa, die nicht arbeiten müssen und sich so im Studierendenparlament engagieren können) ganz für sich alleine (400 von 25000 Studenten in Göttingen).
Draußen warten Kinder von Hartz IV Empfängern, die die Studiengebühren nicht bezahlen können zusammen mit den arbeitslosen Professoren darauf, dass sie in den Genuss von Bildung kommen und die die sich das erarbeitet haben lesen ihre Skripte an den universitätseigenen Computern (wenn einer frei wird), weil sie sich den Ausdruck nicht leisten können…
Herzlichen Dank!

In diesem Sinne, Studiengebühren abschaffen und moderne Politik in die Universitätsgremien!

P.S.: Der Fachschaftsrat der Sozialwissenschaften hat es dieses Semester erstmalig geschafft für jeden Studenten der Fakultät einen Büchergutschein in Höhe von 30 Euro aus Studiengebühren zu finanzieren. Das reicht aber noch lange nicht!