Es ist Freitag 08:00 Uhr morgens, der Wecker klingelt. Mühsam rapple ich mich auf und versuche mich daran zu erinnern, warum um alles in der Welt ich mich an meinem heiligen Freitag (normale Studenten wie ich haben Freitags frei) wecken lasse.
Doch dann beginnt es mir zu dämmern: Da war was mit Europawahl, Grüne und Wahlkampf. Also raus aus den Federn, unter die Dusche, Kaffee, Stulle und Zeitung.
Um 10:40 Uhr stehe ich endlich vor dem Grünen Zentrum in dem ich meine Mitstreiter treffen werde um die Materialien und vor allem das Grüne Sofa zu holen. Mit Bollerwagen und Sackkarre transportieren wir zu dritt die Dinge auf den alten Rathausplatz und stellen dort die Tische auf, packen Broschüren und ‚Giveaways‘ aus und besprechen noch die letzten Strategien.

Mit Flyern bewaffnet werfe ich mich in das Getümmel: „Darf ich Ihnen ein Kurzwahlprogramm der Grünen geben?“ „Haben Sie Interesse an Informationen zur Europawahl am Sonntag?“
Schnell merke ich, dass die meisten Menschen, die sich Freitag Mittag in der Innenstadt herumtreiben und etwas Zeit haben Rentner sind. Ein alter Herr spricht mich an: „Das sind doch alles nur faule Säcke und Bürokraten, die wähle ich nicht! Ich gehe am Sonntag auf keinen Fall wählen“
Aha, vielen dank für die Informationen, freut mich!
So geht es eigentlich den ganzen Vormittag. Manchmal schlimmer „Diese Bänker, das sind doch alles Juden…“, manchmal freundlicher „Tut mir Leid junger Mann, aber ich wähle schon seit70 Jahren die SPD.“

Ich sehne mich nach der Ablösung.
15:00 Uhr Meine erste Schicht ist um! Endlich mal eine Pause… Also, abgeben an die motivierten NachfolgerInnen und schnell einkaufen und nach Hause.

Nach einer halben Stunde Schlaf und einem guten Abendessen laufe ich um 20:30 Uhr wieder in die Innenstadt um zu sehen, wie es am Wahlkampfstand aussieht.
Alles ist ganz entspannt und wir können ein erstes Bier trinken! Noch einige nette Diskussionen mit ersten trunkenen MitbürgerInnen, dann aber schnell ins Grüne Zentrum, da soll heute Abend noch eine „JungwählerInnen Party“ starten.

Die JungwählerInnen kommen in Strömen… nicht. Leider, denn eigentlich war die Idee ganz gut, das Bier war lecker und die Diskussionen auch interessant.
Naja, immerhin waren ein paar Leute da und wir hatten unseren Spaß!

02:00 Uhr die Überreste der Party sind beseitigt und wir brechen auf zum 24h-Wahlkampfstand.
Im Schlepptau Jan Philipp Albrecht, den Spizenkanidaten der GRÜNEN JUGEND für Europa (Listenplatz 12 bei den GRÜNEN).
Eigentlich muss er ja morgen früh in Hamburg sein, doch er lässt sich nicht davon abhalten noch einige Zeit bei uns am Stand mit lustig betrunkenen Passanten zu diskutieren und auch ich sehe mich ständig in der Diskussion mit diversen Leuten, denen ich erzählen muss, warum es wichtig ist am Sonntag wählen zu gehen.

Gegen 06:00 Uhr muss ich dann dringend mal auf Klo. Zu viel Kaffee um es 4 Stunden lang ohne auszuhalten, auf dem Rückweg hole ich Brötchen und wir frühstücken schon einmal gemütlich auf unserem Grünen Sofa!
Die letzte Diskussion ist immer die schlimmste. Ein sturzbetrunkenes Mitglied der Linkspartei will unbedingt mit mir über den Lissabon-Vertrag sprechen. Allerdings wiederholt er einfach zwei Sätze kontinuierlich ohne auf meine Argumente einzugehen und ich habe die ganze Zeit Angst, er würde mir noch auf die Jacke kotzen.

Um 07:00 Uhr ist es dann endlich soweit die Ablösung naht und ich kann meinen unliebsamen Gesprächspartner an meine ausgeschlafene Ablösung abtreten. Hoffentlich räumen die den Stand noch ein bisschen auf, bevor die ganzen Samstag-Morgen-Shopper in die Stadt kommen, es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld. Es wurde wohl doch mehr getrunken als gedacht…

08:00 Uhr, ich sinke ins Bett! Endlich! Schlaf, mein Freund!!
24 Stunden Wahlkampf sind schon eine anstrengende Angelegenheit! Ich hoffe es hat etwas gebracht und es werden sich einige an mich erinnern, wenn sie ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen! Gute Nacht!