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Es ist soweit. Nach zwei Tagen im geteilten Dorf „Internet“ (ja, es ruderten auch einige zwischen den Fraktionen) scheint die Ruhe wieder einzukehren.
‚Endlich‘ hat sich der inzwischen allseits bekannte Bodo Thiesen zu einer Distanzierung bewegen lassen.
Die Stellungnahme kommt spät.
Nachdem Dienstag gegen Mittag schon in einer Stellungnahme der Piratenpartei eine „noch klarere und deutlichere“ Distanzierung von Thiesen verlangt wurde, und diese sogar mit einer 24h-Frist belegt wurde, wurden die Diskussionen in Blogs und Foren weiterhin fortgesetzt.
Am Mittwoch Abend dann, einige Zeit nach ablauf der 24h-Frist kam dann besagte Stellungnahme endlich.
Diese Verzögerung ist für mich ein deutliches Signal, einmal davon abgesehen, dass die gesamte Diskussion nun schon drei Tage lang lief. „Ob das den aufgeschreckten Beobachtern reichen wird, werden wir sehen.“ schreiben die ruhrbarone, mir persönlich auf jeden Fall nicht.

Was mit Thiesen passiert ist noch unklar, der Vorstand der Piratenpartei will am 16.07. entscheiden wie er auf die Distanzierung reagiert.
Was aber eine ganz andere Dimension hat sind die Öußerungen anderer, die während der letzten Tage im Internet zu lesen waren.
Ich wollte da jetzt auch eigentlich noch einiges drüber schreiben, aber F!XMBR hat dazu einen, wie ich finde hervorragenden Blogeintrag geschrieben, dem ich nichts weiter hinzuzufügen brauche. Er zeigt nochmal in aller Deutlichkeit, vor welchen Gefahren wir stehen und wer sich da wirklich im Internet ‚tummelt‘.

Da es jetzt schon spät ist, und ich um diese Zeit nichtmehr denken kann, schreibe ich hier nicht weiter, aber früher oder später werde ich nochmal einen Artikel über „Nazis im Netz“ oder so schreiben.

Edit (09.07.09): Ich möchte in Bezug au den Inhalt der Distanzierung Thiesens nochmal auf zwei Seiten aufmerksam machen. Erstens auf die Diskussion im Piraten-Wiki und da speziell auf den Kommentar von Aspirat. Zweitens auf ghandi.wordpress.com.

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Nachdem viele Blogger, zu denen auch ich gehöre, gestern ihre persönliche (manchmal auch emotionale) Meinung zur „Thiesen-Affäre“ ausgedrückt haben, gab es von der Seite einiger Piraten aus viele oft emotionale Antworten zurück. Auch ich wurde in einem anderen Blog erwähnt und fühlte mich gezwungen dazu Stellung zu nehmen.
Dies ist die Antwort auf diesen speziellen Blogeintrag, aber auch an viele andere Piraten soll diese Antwort gerichtet sein:

Hallo!
Freut mich, dass du meinen Blog gelesen hast, wenn auch scheinbar nicht so richtig, sonst wäre dir möglicherweise aufgefallen, dass mir nicht im geringsten „gerdade mal der Sinn nach Pöbelei stand“.

In dem die Piratenpartei (und jetzt auch du, mit dem Verweis auf seinen Wiki-Eintrag in diesem Blogbeitrag) Thiesen ein Forum bietet und sich nicht strikt davon distanziert macht ihr euch an der Verbreitung seines Gedankengutes mit schuldig.
Mit Meinungsfreiheit hat das nämlich nichts zu tun :

„Das Verbreiten unrichtiger und wahrheitswidriger Tatsachenbehauptungen dient weder der freien geistigen Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, noch trägt es zu einer rationalen öffentlichen Meinungs- und Willensbildung bei. Es ist durch Artikel 5 Abs. 1 […] GG deshalb grundsätzlich nicht geschützt. [Branahl, Udo (2002): Medienrecht. Eine Einführung. Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 18]“
Aus: texteaufcornflakespackungen.de

Darum ist es wichtig sich davon möglichst weit abzugrenzen und auch einen Parteiausschluss zu erwägen.

Übrigens gehöre ich (und da gehören viele kritische Blogger dazu) ganz bestimmt nicht zu den Leuten die jetzt plötzlich die Piratenpartei verteufeln wollen. Im Gegenteil wünsche ich mir, dass die Piratenpartei aus ihren Kinderschuhen heraus wächst und sich die Möglichkeit schafft auf derartige Probleme schneller und vor allem sinnvoll zu reagieren.

Ja, bis zu diesem Zeitpunkt ist die Piratenpartei noch (in meinem Blogeintrag benuzte ich auch das Wort „noch“) unwählbar, aber ich hoffe, dass sich das ändern wird und dass die immer wichtiger werdenden Fragen und Probleme der ‚Internetgeneration‘ eine starke Vertretung bekommt!

Viele Grüße und die Bitte um Reflexion des eigenen Standpunktes, Jonathan!

Übrigens hat sich die Piratenpartei jetzt endlich von den Aussagen Thiesens in einer sehr sinnvollen Pressemitteilung distanziert. Nachzulesen ist diese hier!
Diese hätte aber, meiner Meinung nach viel eher kommen müssen und auch nicht unbedingt nur mit Verweis auf das Amt, das Thiesen inne hat(te)!
Die Diskussion darüber ist für mich auch noch nicht abschließend behandelt, zumal viele Mitglieder das Verhalten der Partei entschuldigten, etc…

In Folge des Parteitages der Piratenpartei und der Wahl von Bodo Thiesen in ein (wenn auch unbedeutendes) Amt der Partei, kam und kommt es zur Zeit im Internet zu heftigen Diskussionen.
Der Grund für diese Diskussionen sind Aussagen, die Thiesen getätigt haben soll.
Beispiele:

„Nun, bis vor einigen Monaten glaubte ich auch, daß diejenigen, die „Auschwitz leugnen“ einfach nur pupertäre spinner sind. Damals hatte ich aber auch noch nicht Germar Rudolf gelesen. Sorry, aber das Buch prägt einfach – zumindest wenn man objektiv ran geht. ‚ÄìBodo Thiesen 19:50, 15. Jul 2004″

„Wenn Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen
indirekt durch die Generalmobilmachung), dann hatte Deutschland *jede*
legitimation, Polen anzugreifen.“

Quelle: Indymedia

Zitiert nach ruhrbarone.de

(Weitere Beispiele finden sich auch auf fixmbr.de)

Diese offensichtlich geschichtsrelativierenden und revisionistischen Öusserungen sind immer (und öffentlich) zu verurteilen, auch wenn diese Aussagen sechs oder mehr Jahre zurückliegen.

Sind die Piraten mehr als die Summe ihrer Mitglieder?

Es kann häufig vorkommen, dass eine Partei, und gerade eine so junge, eine Anlaufstelle für Menschen mit extremistischem Gedankengut ist. Diese haben natürlich bei derart horizontalen Hirarchien schnell die möglichkeit einen gewissen Status zu erlangen.
Gerade aus diesm Grund ist es wichtig, dass Parteien ihre Standpunkte zu Themen wie diesen öffentlich zur Sprache bringen und sich möglichst schnell von Personen distanziert, die bspw. den Holocaust leugnen, oder ein untragbares Verhalten an den Tag legen.

Warum tut die Piratenpartei dies nicht?

Für eine junge Partei, die sich aus einer Bewegung heraus gegründet hat in der es sich um sehr spezielle Dinge dreht ist es natürlich immer sehr schwer sich in anderen Themengebieten zu positionieren.
Das Hauptanliegen der Piraten sind einfach Themen wie das Copyright oder die Interntzensur, und auch nur aufgrund dieser Themen haben sie die möglichkeit so viele Mitglieder, mit sehr unterschiedlicher politischer Herkunft, unter einem Dach zu vereinen.
Ich frage mich, ob die Piratenpartei bewusst keinen ihrer Mitglieder öffentlich anprangern will, weil für sie jedes Mitglied wichtig ist, oder weil es noch keine Strukturen gibt um einen Parteiausschluss zu formulieren.

Die Frage, die sich die Piratenpartei stellen muss ist meiner Meinung nach die, ob sie einfach nur die Summe ihrer Mitglieder sein will, oder mehr.
Wer auf nationalem und internationalem Parkett ernst genommen werden will muss sich dessen bewusst werden.

Eine Partei, die auf so viele politische Fragen, und besonders auf Fragen von derartiger Relevanz, keine Antworten kennt ist für mich definitiv unwählbar.

Die Piratenpartei muss schnell handeln und ihre Fehler eingestehen.
Ein klareres Konzept und eine starke Position in Fragen, die die Grundfesten der Menschlichkeit betreffen, müssen schnell kommen.

Bis jetzt ist die Partei noch ein Haufen dummer Jungs (und Mädchen), die sich zu LAN-Partys treffen. Ich hoffe ihr könnt erwachsen werden!

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