Was ist da eigentlich los, wir richten diese Welt zugrunde und worum es wirklich geht interessiert keine Sau…

Mein Trip nach Kopenhagen:

Es ist Freitag Abend in Göttingen, in aller Schnelle tippe ich noch einen Blogeintrag und laufe dann zum Bahnhof, auf nach Kopenhagen.
Über Lüneburg geht es in Richtung Fehmarn, ich waceh auf als wir in Puttgarden auf die Fähre wollen und von einem Großaufgebot an Grenzschützern gestoppt werden. Die Polizei durchwühlt unseren Bus, kontrolliert Ausweise und lässt uns dann doch, nach einer ziemlich langen Wartezeit, auf die Fähre fahren. Da wir im Konvoi mit drei Bussen gefahren sind und der dritte es, aufgrund der Polizeiaktion, nicht auf die Fähre schafft warten wir auf Dänischer Seite auf die anderen.
Und weiter geht’s. Gegen 6 Uhr Morgens erreichen wir dann endlich Kopenhagen und dort die für die Demonstranten bereitgestellten Massenunterkünfte. In diesen Unterkünften schlafen 2500 Menschen auf engem Raum in einer unbeheizten Fabrikhalle. Es gibt zwei Toiletten und eine „VoKü“. Zu allem Überfluss will die Dänische Regierung, die diese Unterkünfte so bereitwillig zur Verfügung gestellt hat, plötzlich doch Miete haben (was daraus geworden ist wieß ich nicht).

IMAG0574Nach Kurzen 2 Stunden Schlaf stehen wir auf um uns in die Blaue Welle (Demonstration um 10 Uhr) einzureihen. Wir verlaufen uns zwar, laufen dann aber noch den Großteil der Route mit. Ich bin etwas enttäuscht über die relativ geringe Anzahl an Demonstrationsteilnehmer_innen, hatte ich doch damit gerechnet, dass in Kopenhagen tausende, aktive Menschen sind.
Diese Enttäuschung löst sich dann gegen 13 Uhr aber in Hochstimmung auf. 100.000 Demonstranten finden sich auf dem Platz vor dem dänischen Parlament ein um an der Hauptdemonstration zum Klimagipfel teil zu nehmen.
Einhunderttausend Menschen! Alle kämpfen für ein neues Bewusstsein im Klimaschutz!
Wenn man allerdings genau hinsieht fragt man sich, wo kommen die alle her? Was wollen diese Menschen wirklich? Und ruhen sie sich vielleicht darauf aus, was die Regierung macht bzw. nicht macht?

Man hört alle erdenklichen Sprachen, Fahnen und Banner sind mit Sprüchen auf Englisch, Spanisch, Japanisch und vielen weiteren bedruckt.
Doch auf das erste Glücksgefühl über eine einheitliche, internationale Bewegung stellt sich die Irritation ein. Sind etwa all diese Menschen hierher geflogen? Ein großes Stück Umweltzerstörung für ein kleines bisschen Protest? Eine Gruppe Australier_innen demonstrieren gegen den Kohleabbau ihrer Regierung, haben aber selber eine große Menge CO2 auf ihrer Reise nach Europa in die Atmosphäre gepustet.
Neben mir holt sich jemand erstmal einen Kebab, lecker Fleisch, Klimakiller #1…
Und wo wandern wir eigentlich entlang? Seit einer Stunde schon marschieren 100.000 Menschen durch die Kopenhagener Vorstadt. Hier gibt es nur Industrien und ab und zu mal einen Wohnblock. Hier sieht uns niemand.
Als es dunkel wird erreichen wir dann das Bella Centre. Hier sitzen sie also, wichtige Menschen aus Politik und Wirtschaft, Lobbyist_innen, Blogger_innen und irgend welche anderen, die einfach da sind und von denen niemand weiß, was die tun.
Der Tagungsort ist weiträumig abgesperrt und eine überdimensionierte Bühne ist mitten auf der Straße aufgebaut. Auf dieser Bühne werden uns diverse „Veterans in the fight for climate justice“ angekündigt, unter anderem die ehemalige isländische Präsidentin, eine junge Studentin, ein Sprecher der Indigenen aus Amerika und noch ein paar dänische Politiker (die zu allem Überfluss auch noch auf dänisch sprechen).
Es werden Appelle an die Mächtigen dieser Welt heraus gegeben, eine Einigung, ein „Green Deal“ gefordert und es wird sich bei uns bedankt, dass wir alle gekommen sind und gezeigt haben, dass es so nicht weiter gehen kann!
Nach einer Stunde wird mir kalt und langweilig sind die Reden ja sowieso, also wende ich mich von der Bühne ab und trete den Rückweg in die Innenstadt an.
Die Straße vor der Bühne ist verdreckt, leere Bierdosen liegen herum, und einige Grüppchen verbrennen ihre Plakate und Schilder. Noch mehr von diesen Plakaten liegen links und rechts der Straße im Gebüsch.
Die Demo ist ja schließlich vorbei. Was will man da noch mit dem Kram.
Es liegt ja jetzt sowieso alles in den Händen der Politiker!?!

Auf meinem Rückweg in die Stadt, ich bin auf dem Traditionssegler Hansine zum Abendessen eingeladen, komme ich an „Hopenhagen“ vorbei.
Hopenhagen ist eine kleine Kontainersiedlung mitten auf dem Rathausplatz in Kopenhagens Zentrum. Gesponsert wir das Projekt von den größten Umweltverschmutzern der Welt, Vattenfall (nicht auf der Homepage aufgeführt), Simens, BMW, SAP, etc…
Das hier ist „Greenwashing“ vom aller feinsten und große Menschenmassen lassen sich hier, verzückt, darüber beraten, wie toll ökologisch und umweltbewusst diese oben genannten Konzerne doch sind.
Hallo?? Gehirn?
Ich möchte eine Dose Sprühlack haben und das Große Schild „Hopenhagen“ in „Dopenhagen“ ändern. Opium für’s Volk, etwas anderes ist das nicht.
Radikal umdenken, Leute… Checkt’s endlich mal!!

IMAG0587Der Linseneintopf auf der Hansine lasse ich mir dann aber doch schmecken und die Einladung, auf der Carola mit nach Kiel zu segeln nehme ich gerne an. Was soll ich noch hier, hier wird der Kampf um unserern Planeten nicht gewonnen. Und mit einer Klimaneutralen Rückreise auf einem Segelschiff habe ich mehr erreicht (schon alleine für mich), als wenn ich weiter durch Kopenhagen irre und mich von diesen oder jenen Lobbyist_innen (die bestimmt alle mit dem Flugzeug gekommen sind) zum Klimaschutz auffordern lasse…

Vielen Dank Kopenhagen, wenn auch sonst nichts rausgekommen ist (Floppenhagen!!) so weiß ich doch inzwischen, dass wir ganz andere Wege finden müssen um unseren Planeten zu retten. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit ganzem Körpereinsatz.
Wir können nicht auf China und die USA schimpfen um uns dann selber in Untätigkeit zu üben, wir müssen handeln! Act now, jede_r von uns!

Zum weiterlesen:
Paz Verde Flensburg – Building One World
Klimapiraten
Jugendsegeln. e.V.