Es ist Samstag vormittag. Vor wenigen Stunden sind wir in Kopenhagen angekommen, die Temperaturen sind noch über 0 Grad und trotz Schlafmangels bin ich guter Dinge. Auf dem Weg zur 10 Uhr Demo erzählt mir eine Mitfahrerin, dass ihr Freund mit seinen Komiliton_innen aus Flensburg mit dem Segelschiff klimaneutral nach Kopenhagen gesegelt sind. Ich bin etwas Neidisch, unsere Fahrt ging zwar bestimmt schneller, aber wenn auch mit 50 anderen Menschen im Bus, so hat unsere Anreise dem Klima dennoch geschadet. Ausserdem bin ich ein waschechter Norddeutscher und segle für mein Leben gerne.

IMAG0582Nach der Demo treffen wir die Segler am Hafen. Sie laden uns zum Abendessen ein und ich zähle schonmal heimlich nach, ob die Anzahl der Besatzungsmitglieder mit den Kojenplätzen übereinstimmt. Nach nur wenigen Minuten am Hafen stelle ich fest, ich will mitsegeln, koste es was es wolle und beim Abendessen wird mir dann sogar ein freier Platz an Bord der Carola angeboten. Ich kann zurück nach Kiel segeln, großartig! Sofort hole ich meine Sachen aus der Massenunterkunft um schon die erste Nacht an Bord des Schiffes zu verbringen.

Das leichte Schunkeln des Bootes wiegt mich schon wenige Zeit später in einen ruhigen und erholsamen schlaf.

Am nächsten Morgen müssen wir früh aufstehen, denn die Besatzung der drei Boote Zuversicht, Hansine und Carola übergeben eine Petition die in Flensburg von Arved Fuchs mit an Bord gegeben wurde an Klaus Milke und Sven Harmeling von Germanwatch e.V., die diese dann an Norbert Röttgen übergeben.

Jetzt müssen wir als erstes das Schiff seetauglich machen. Das heißt, aufräumen, schrubben und alle Leinen und Segel überprüfen. Dann muss noch das große Vorsegel, die „Genua“, umgesetzt werden und unser Kapitän gibt noch eine letzte Sicherheitseinweisung.

Um halb eins am Sonntag Mittag heulen die Schiffssirenen kurz auf und die Zuversicht, Carola und Hansine verlassen im Konvoi den Hafen von Kopenhagen.

Als dann die Segel gesetzt sind und die Besatzung zur Ruhe kommt können wir die Nase in den Wind halten und dem platschen der Wellen am Bug lauschen. Diese Stimmung ist das, was für mich so reizvoll am Segeln ist. Ich bin eins mit dem Schiff, mit dem Wasser und dem Wind, der Lärm der Stadt ist weit weg, keine Autos, keine Menschen, keine Werbung und kein Neid.

IMAG0590Nach einigen Stunden wird es kühl und immer dunkler und wir müssen Wachen für die nächsten Stunden einteilen. Wir wollen die ganze Nacht durch segeln und so muss ständig ein Dreierteam an Deck bleiben um das Boot sicher in Richtung Kiel zu manövrieren. Wir wechseln uns ab, vier Stunden Team 1, dann wieder vier Stunden Team 2 und so weiter.

Während dieser Wachen ist viel Zeit über die vorangegangenen Tage zu reflektieren und sich über Sinn und Unsinn der Klimakonferenz zu unterhalten. Haben wir mit unserer Tour ein Zeichen setzen können? Immerhin wurde in einigen Zeitungen und im Fernsehen über uns berichtet. Vielleicht wurden dadurch bei einigen Leser_innen und Zuschauer_innen die Sinne für klimabewusstes Handeln gestärkt. Ich glaube, wenn jede_r Teilnehm_in der Klimakonferenz dort hin gesegelt wäre, hätte die Konferenz auch Ergebnisse bringen können. Wenn ich mir vorstelle, dass Hu Jintao, Angela Merkel und Barak Obama zusammen mit Nicolas Sarkozy und Hugo Chavez auf einem Zweimaster auf hoher See zur Zusammenarbeit gezwungen wären, frage ich mich ob das Boot untergehen würde. Vielleicht würden sie aber auch merken, dass es um ihr überleben geht und sich auf einen gemeinsamen Kurs einigen könnten.

Nach 30 Stunden Segeln erreichen wir Rødbyhavn am Fehmarn Belt. Eine Nacht lang werden wir hier festmachen. Die Mannschaft ist müde und unser Kapitän braucht dringend ein paar Stunden Schlaf.

Auf den letzten Seemeilen dänischen Küste kommen wir an einem riesigen Offshore-Windpark vorbei. Der Nysted Havmøllepark ist der größte Windpark Dänemarks und hat jetzt schon eine Leistung von über 160 MW. Mehrere Stunden ist dieser Windpark an unserer Steuerbordseite zu sehen und auf einer weiteren, mindestens ebenso großen Fläche ragen Betonfundamente aus dem Wasser, auf die in nächster Zeit weitere Windkraftanlagen gesetzt werden.

Nach einer Erholsamen Nacht in Rødbyhavn wollen wir weiter segeln. Leider sind wir unter Zeitdruck, da einige Mitreisende rechtzeitig in Kiel ankommen wollen. Leider haben wir Gegenwind bei stärkerem Seegang und müssen ein langes Stück mit dem Motor reisen. Doch nicht ganz klimaneutral, unsere Reise. Aber fast und der Versuch ist wichtig.

Für mich war die Reise ein Erlebnis, ich würde es sofort wieder machen, und auch die Aktionsform Segeln um auf das Problem des CO2 Ausstoßes aufmerksam zu machen ist für mich perfekt gewählt.

Links:

Paz Verde – Building one World e.V.
Verein Jugendsegeln e.V.

Dieser Blogpost habe ich für Germanwatch.org geschrieben. Hier wird er in den nächsten Tagen erscheinen.