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Procure IT Fair petition

Bereits im April letzten Jahres habe ich von der Kampagne BuyIT-Fair berichtet die sich für bessere Arbeitsbedingungen und Umweltschutz in der IT-Produktion einsetzt.

Jetzt gibt es von dieser Kampagne, auf der Homepage procureitfair.org eine Petition, die sich für die Einführung von sozialen Standards für die Anschaffung von Computern mit öffentlichen Mitteln, besonders an Universitäten einsetzt.
Auf http://procureitfair.org/petition/german kann man diese mitzeichnen.

Diese Petition soll an diverse Deutsche und Internationale Hochschulen geschickt werden. Sie zu unterschreiben ist ein erster Schritt in Richtung fairer Arbeitsbedingungen, die gerade in der IT-Technik noch sehr schlecht sind.

Als ich vor einigen Wochen in Guinea war, um ein Projekt zu besuchen, war es bereits da; dieses Gefühl von Ohnmacht, von angespanntem Warten und Hoffen darauf, dass nach den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen nichts schlimmeres passieren wird.

Vorgestern hat nun die Wahlkommission des Landes das Ergebnis verkündet. Gewonnen hat der ehemalige Oppositionsführer Alpha Condé, allerdings mit 52,5 Prozent denkbar knapp (in einer Stichwahl). Die Frage, was jetzt passieren wird ist groß. Der Verlierer und ehemalige Premierminister Cellou Dallein Diallo hat angekündigt die Wahl vor dem Gericht anzufechten und seine Anhänger_innen zur Ruhe aufgerufen; zumindest bis dahin. Die meisten Militärs hingegen scheinen sich glücklicherweise mit der Situation abgefunden zu haben und stehen dem neuen Präsidenten offen gegenüber.

Dennoch kommt es bereit jetzt zu ersten Ausschreitungen, Schießereien zwischen den Anhänger_innen Diallos und den Soldaten, sowie vereinzelten Übergriffen der jeweils einen Fraktion auf die andere. Das Problem ist, dass in diesem Konflikt sich zwei Bevölkerungsgruppen gegenüber stehen, die beide ihren Anteil vom Kuchen abbekommen wollen und der Kuchen scheint groß.

Der Reichtum an Bodenschätzen macht dieses Land arm und zermürbt es. Ausländische Wirtschaftsinteressen fokussieren sich einzig auf die hohen Rohstofvorkommen (v.a. Bauxit), die eigene Wirtschaft wurde bis in die 80er Jahre hinein vollständig errodiert und bis heute hat sich diese nicht wieder aufrichten können. Wer die Macht über die Verteilung der Rohstoffvorkommen und die Verträge mit den ausländischen Firmen hat kann sich schnell bereichern.

Viele hoffen darauf, dass sich mit der neuen demokratischen Regierung alles ändern wird. Jede_r in diesem Land hofft auf den großen Sprung, die Erlösung von allem Übel. Allerdings nur mit dem eigenen Präsidenten an der Spitze, es könnte ja doch etwas schief gehen.

Ob sich etwas ändern wird wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen und es bleibt zu hoffen, dass es zu keinen größeren Ausschreitungen kommt. Die Bevölkerung Guineas muss feststellen, dass sie nur gemeinsam etwas erreichen kann, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Ich hoffe das Land kann den Aufbruch schaffen, ohne dabei in Korruption und Bürgerkrieg zu versinken.

Aktuelle Infos: auf Taz.de

Edit: Ein wirklich interessanter Artikel dazu: IRINnews.com

Es ist Sonntag Abend. Ich befinde mich auf der Rückfahrt von Berlin nach Hannover und versuche mich an einem ersten Fazit des ersten Netzpolitischen Kongress der Grünen.

Jetzt ins Detail zu gehen fällt mir noch zu schwer. Ich bin ja auch mehr ein interessierter Laie (das klingt irgendwie nicht gut, aber mir fällt keine bessere Umschreibung ein) und war eher als Mitglied der Grünen Jugend da, denn als Netzpolitik-Profi.

Von der Eröffnungsrede von Renate Künast ist mir eigentlich nur noch die von vielen falsch verstandene Aussage in Erinnerung, „die Konservativen halten das Internet für eine Hafenkneipe.“ – Diese Aussage führte zu großem Aufruhr, da einige eifrige Twitteruser_innen verbreiteten „Künast hält das Internet für eine Hafenkneipe!“

Der Rest der Rede ging bei mir in einem allgemeinen Grünen-Bashing auf Twitter unter. Da dieses Bashing auch durch einige Twitteranten mit schwarzen Fahnen im Profilbild (Mitglieder der Piratenpartei) mitgetragen wurde, musste ich dann die Frage stellen „Ob die #Piraten wirklich ausschließlich zum #Pöbeln hier sind oder auch bock auf konstruktive Arbeit haben?“ Darauf folgend (@herrubach, @tobiasraff, @SlickRights, @LaviniaSt) habe ich dann mit Tobias und Lavinia eine Session für das Barcamp am Samstag, über Zusammenarbeit unter den Parteien in Punkto Netzpolitik vereinbart (dazu weiter unten mehr).

Etwas enttäuscht war ich im Anschluss von Saskia Sassen, die das Internet aus einem sozial-antropologischen Blickwinkel betrachtet, in ihrem Vortrag, meiner Meinung nach, jedoch sehr unstrukturiert und ausschweifend wurde. Viel Besser war dann Reto Hilty vom MPI für Geistiges Eigentum, der eine Keynote zum Thema Urheberrecht gehalten hat.

Ganz lustig fand ich ja das abendliche Gespräch zwischen Claudia Roth und (Prof.) Tim Renner über Mixtapes, Copyright und alte Zeiten. Die von vielen angeprangerte Irrelevanz des ganzen war für mich, zu so später Stunde, ehrlich gesagt ganz erfrischend. Einem schwerwiegenden Vortrag (womöglich auf Englisch), über Feinheiten von Gesetzesentwürfen und Kulturflatrate, hätte ich nicht mehr folgen können. (Aus dem Gespräch ist mir vor allem hängen geblieben, dass man den Track „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ von Selig kostenlos herunterladen kann.)

Nachdem ich in der Nacht von Freitag auf Samstag etwas zu lange wach war, war ich am Sonntag dann erst zum Mittagessen zurück im Paul-Löbe-Haus, so dass ich leider die ersten beiden Sessionspots des Barcamps verpasst habe.

Nach dem Mittagessen habe ich dann die Session zum Thema Liquid Democracy besucht. Hier haben die Administrator_innen von Adhocracy die Seite (und das Prinzip) liqd.net vorgestellt (u.a. auch am Beispiel der Grünen Jugend liqd.net-Seite, die ich noch nicht kannte). Diese Session war für mich super interessant und ich wäre gerne im Anschluss noch zur Session über Liquid Feedback (ein ähnliches Prinzip) gegangen, was leider nicht möglich war.

Um 14:30h begann dann „Meine“ Session zum Thema „Wie schaffen wir den politischen Kindergarten um und fördern ein konstruktives Vorgehen zwischen Parteien?“ (der Titel stammte von einer unbekannten Person aus dem Wiki zum nk10-Barcamp auf mixxt.de). Leider waren dort dann auch nur Tobias und Lavinia anwesend – andere Pirat_innen fanden wohl andere Sessions interessanter – dafür war die Diskussion aber um so fruchtbarer. In dieser Session – und auf dem gesamten Kongress eigentlich – konnte ich endlich meine Ressentiments gegen die Piratenpartei (zumindest größtenteils) Ausräumen. Die Piraten haben eben, wie jede andere Partei auch, so ihre Probleme mit unterschiedlichen Ansichten über Politik; die Grünen haben „Jamaika,“ die Piraten haben „Trolle.“ :)

In der Session haben wir drei einhellig besprochen die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Grünen/Grüner Jugend und den Piraten zu fördern. Ich glaube wir brauchen an fielen Stellen die Expertise der Piraten und die Piraten können bei uns auch mal in Politikbereiche ausserhalb des Netzes schnuppern… Gemeinsame Veranstaltungen zu Netzpolitischen und anderen Themen wären sowohl auf lokaler, als auch auf Landes- und Bundesebene förderungswürdig.

Nach dieser spannenden Diskussion habe ich dann den Workshop „Alles eine Frage der Macht: Sexismus im Netz“ mit Katrin Rönicke (maedchenmannschaft.net), Leena Simon (Piraten) und Monika Lazar (Grüne) besucht. Dieser war für meinen Geschmack etwas sehr diffus. Man konnte sich leider nicht richtig auf einen gemeinsamen Diskussionsschwerpunkt einigen. Nach einer guten Einführung zum Sexismus-begriff und Sexismus im Internet durch Katrin folgte ein etwas Diffuser Vortrag von Leena mit dem Fazit, man müsse Trolle und (echte) Sexist_innen im Internet differenzieren (obwohl diese sich gegenseitig Futter geben). Die anschließende Diskussion sprang stark zwischen den Themen hin und her, so zum Beispiel die Frage ob Frauen im Internet unterrepräsentiert seien oder nur „totgeschwiegen“ würden. Auf den eigentlichen Titel der Veranstaltung wurde leider nur am Rande eingegangen und ein konkretes Fazit oder zumindest Handlungsanweisungen gab es dann auch nicht.

Die kurze Runde in der die Ergebnisse der Workshops präsentiert wurden fand ich wirklich gut (richtungsweisend von welchem der Workshops ich noch eine Audioaufzeichnung hören möchte), wurde aber im allgemeinen ‚auf das Abendessen warten‘ nicht ausreichend gewürdigt.

Nach der Abendessen-Pause ging es dann mit Open-Data und Open-Government weiter. Leider war ich etwas müde, so dass mir nicht vieles in Erinnerung geblieben ist.

Insgesamt gesehen verläuft mein Fazit ähnlich wie das von einigen anderen auch. Netzpolitisch stecken die Grünen noch immer in den ‚Kinderschuhen‘ und dennoch war dieser Kongress ein Schritt in die richtige Richtung. Mal davon abgesehen, dass ein Barcamp im Paul-Löbe-Haus wirklich etwas wiederholenswertes ist, ist es wichtig die Erfahrungen und Meinungen auf diese Art und Weise zu vernetzen und die Zusammenarbeit (Stichwort Konsens) voran zu treiben. Leider kamen die Diskussionen an vielen Stellen zu kurz  und die einzelnen Spots des Barcamps hätten etwas länger (und zumindest mit 5 Minutenpausen) sein können. Das die Workshops parallel zu dem Barcamp waren war natürlich ärgerlich. Wären die Workshops mehr in das Barcamp eingegliedert gewesen (gleicher Stellenwert auch bei der Publikation wie die Sessions) wäre das möglicherweise nicht mehr so sehr aufgefallen.

Am Ende kann ich auch nur sagen: Weitermachen!

 

P.S.: Zu empfehlen sind neben Gedankenstücke auch die Artikel von Hyperland und Tobias Hößl (mit Fotos).

 

Am 12. und 13.11.2010, also nächstes Wochenende findet der Netzpolitische Kongress der GRÜNEN in Berlin statt.

Es wird Keynotes, Podien, Workshops und ein Barcamp geben.

Ich werde auf jeden Fall dabei sein und hoffe das es interessant wird!

Weitere Informationen zum Kongress gibt es unter http://nk10.de, die Platform zum Vernetzen für das Barcamp gibt es unter http://nk10.mixxt.de.

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