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My answer on Quora: „In my opinion, social media played a major role to the revolution in Tunisia.
I think that there were (and still are) a lot of different aspects in how social media helped to pave the path to recent events (the flight of Ben Ali).
At first, I think, social media was a mayor tool to inform people inside and outside Tunisia about what was going on since the 17th of december self-immolation of Mohamed Bouazizi. I don’t think that the national and international spreading of this news could have worked as fast as it did without people speaking out on twitter, facebook or over their blogs.
I’m not quite sure about that, but as I understand, especially twitter also was used to organise demonstrations and to gather people within Tunisian cities.

When Slim Amamou was arrested on the 6th of january, again the first information about him missing was over the location based social media platform foursquare, where he posted his whereabouts (The Ministry of Interiors) so that his friends (and followers) immediately took action and, as he was internationally known, could again be able to put pressure on the national government.

As a conclusion, I’m not saying, that without social media the revolution could have failed, but social media helped a lot to get the news outside Sidi Bouzid and outside Tunisia.

(Just look at #SidiBouzid for the masses of Information or read Blogs!)“

What role did social media play with regards to the revolution in Tunisia?

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Als ich vor einigen Wochen in Guinea war, um ein Projekt zu besuchen, war es bereits da; dieses Gefühl von Ohnmacht, von angespanntem Warten und Hoffen darauf, dass nach den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen nichts schlimmeres passieren wird.

Vorgestern hat nun die Wahlkommission des Landes das Ergebnis verkündet. Gewonnen hat der ehemalige Oppositionsführer Alpha Condé, allerdings mit 52,5 Prozent denkbar knapp (in einer Stichwahl). Die Frage, was jetzt passieren wird ist groß. Der Verlierer und ehemalige Premierminister Cellou Dallein Diallo hat angekündigt die Wahl vor dem Gericht anzufechten und seine Anhänger_innen zur Ruhe aufgerufen; zumindest bis dahin. Die meisten Militärs hingegen scheinen sich glücklicherweise mit der Situation abgefunden zu haben und stehen dem neuen Präsidenten offen gegenüber.

Dennoch kommt es bereit jetzt zu ersten Ausschreitungen, Schießereien zwischen den Anhänger_innen Diallos und den Soldaten, sowie vereinzelten Übergriffen der jeweils einen Fraktion auf die andere. Das Problem ist, dass in diesem Konflikt sich zwei Bevölkerungsgruppen gegenüber stehen, die beide ihren Anteil vom Kuchen abbekommen wollen und der Kuchen scheint groß.

Der Reichtum an Bodenschätzen macht dieses Land arm und zermürbt es. Ausländische Wirtschaftsinteressen fokussieren sich einzig auf die hohen Rohstofvorkommen (v.a. Bauxit), die eigene Wirtschaft wurde bis in die 80er Jahre hinein vollständig errodiert und bis heute hat sich diese nicht wieder aufrichten können. Wer die Macht über die Verteilung der Rohstoffvorkommen und die Verträge mit den ausländischen Firmen hat kann sich schnell bereichern.

Viele hoffen darauf, dass sich mit der neuen demokratischen Regierung alles ändern wird. Jede_r in diesem Land hofft auf den großen Sprung, die Erlösung von allem Übel. Allerdings nur mit dem eigenen Präsidenten an der Spitze, es könnte ja doch etwas schief gehen.

Ob sich etwas ändern wird wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen und es bleibt zu hoffen, dass es zu keinen größeren Ausschreitungen kommt. Die Bevölkerung Guineas muss feststellen, dass sie nur gemeinsam etwas erreichen kann, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Ich hoffe das Land kann den Aufbruch schaffen, ohne dabei in Korruption und Bürgerkrieg zu versinken.

Aktuelle Infos: auf Taz.de

Edit: Ein wirklich interessanter Artikel dazu: IRINnews.com

Es ist Samstag vormittag. Vor wenigen Stunden sind wir in Kopenhagen angekommen, die Temperaturen sind noch über 0 Grad und trotz Schlafmangels bin ich guter Dinge. Auf dem Weg zur 10 Uhr Demo erzählt mir eine Mitfahrerin, dass ihr Freund mit seinen Komiliton_innen aus Flensburg mit dem Segelschiff klimaneutral nach Kopenhagen gesegelt sind. Ich bin etwas Neidisch, unsere Fahrt ging zwar bestimmt schneller, aber wenn auch mit 50 anderen Menschen im Bus, so hat unsere Anreise dem Klima dennoch geschadet. Ausserdem bin ich ein waschechter Norddeutscher und segle für mein Leben gerne.

IMAG0582Nach der Demo treffen wir die Segler am Hafen. Sie laden uns zum Abendessen ein und ich zähle schonmal heimlich nach, ob die Anzahl der Besatzungsmitglieder mit den Kojenplätzen übereinstimmt. Nach nur wenigen Minuten am Hafen stelle ich fest, ich will mitsegeln, koste es was es wolle und beim Abendessen wird mir dann sogar ein freier Platz an Bord der Carola angeboten. Ich kann zurück nach Kiel segeln, großartig! Sofort hole ich meine Sachen aus der Massenunterkunft um schon die erste Nacht an Bord des Schiffes zu verbringen.

Das leichte Schunkeln des Bootes wiegt mich schon wenige Zeit später in einen ruhigen und erholsamen schlaf.

Am nächsten Morgen müssen wir früh aufstehen, denn die Besatzung der drei Boote Zuversicht, Hansine und Carola übergeben eine Petition die in Flensburg von Arved Fuchs mit an Bord gegeben wurde an Klaus Milke und Sven Harmeling von Germanwatch e.V., die diese dann an Norbert Röttgen übergeben.

Jetzt müssen wir als erstes das Schiff seetauglich machen. Das heißt, aufräumen, schrubben und alle Leinen und Segel überprüfen. Dann muss noch das große Vorsegel, die „Genua“, umgesetzt werden und unser Kapitän gibt noch eine letzte Sicherheitseinweisung.

Um halb eins am Sonntag Mittag heulen die Schiffssirenen kurz auf und die Zuversicht, Carola und Hansine verlassen im Konvoi den Hafen von Kopenhagen.

Als dann die Segel gesetzt sind und die Besatzung zur Ruhe kommt können wir die Nase in den Wind halten und dem platschen der Wellen am Bug lauschen. Diese Stimmung ist das, was für mich so reizvoll am Segeln ist. Ich bin eins mit dem Schiff, mit dem Wasser und dem Wind, der Lärm der Stadt ist weit weg, keine Autos, keine Menschen, keine Werbung und kein Neid.

IMAG0590Nach einigen Stunden wird es kühl und immer dunkler und wir müssen Wachen für die nächsten Stunden einteilen. Wir wollen die ganze Nacht durch segeln und so muss ständig ein Dreierteam an Deck bleiben um das Boot sicher in Richtung Kiel zu manövrieren. Wir wechseln uns ab, vier Stunden Team 1, dann wieder vier Stunden Team 2 und so weiter.

Während dieser Wachen ist viel Zeit über die vorangegangenen Tage zu reflektieren und sich über Sinn und Unsinn der Klimakonferenz zu unterhalten. Haben wir mit unserer Tour ein Zeichen setzen können? Immerhin wurde in einigen Zeitungen und im Fernsehen über uns berichtet. Vielleicht wurden dadurch bei einigen Leser_innen und Zuschauer_innen die Sinne für klimabewusstes Handeln gestärkt. Ich glaube, wenn jede_r Teilnehm_in der Klimakonferenz dort hin gesegelt wäre, hätte die Konferenz auch Ergebnisse bringen können. Wenn ich mir vorstelle, dass Hu Jintao, Angela Merkel und Barak Obama zusammen mit Nicolas Sarkozy und Hugo Chavez auf einem Zweimaster auf hoher See zur Zusammenarbeit gezwungen wären, frage ich mich ob das Boot untergehen würde. Vielleicht würden sie aber auch merken, dass es um ihr überleben geht und sich auf einen gemeinsamen Kurs einigen könnten.

Nach 30 Stunden Segeln erreichen wir Rødbyhavn am Fehmarn Belt. Eine Nacht lang werden wir hier festmachen. Die Mannschaft ist müde und unser Kapitän braucht dringend ein paar Stunden Schlaf.

Auf den letzten Seemeilen dänischen Küste kommen wir an einem riesigen Offshore-Windpark vorbei. Der Nysted Havmøllepark ist der größte Windpark Dänemarks und hat jetzt schon eine Leistung von über 160 MW. Mehrere Stunden ist dieser Windpark an unserer Steuerbordseite zu sehen und auf einer weiteren, mindestens ebenso großen Fläche ragen Betonfundamente aus dem Wasser, auf die in nächster Zeit weitere Windkraftanlagen gesetzt werden.

Nach einer Erholsamen Nacht in Rødbyhavn wollen wir weiter segeln. Leider sind wir unter Zeitdruck, da einige Mitreisende rechtzeitig in Kiel ankommen wollen. Leider haben wir Gegenwind bei stärkerem Seegang und müssen ein langes Stück mit dem Motor reisen. Doch nicht ganz klimaneutral, unsere Reise. Aber fast und der Versuch ist wichtig.

Für mich war die Reise ein Erlebnis, ich würde es sofort wieder machen, und auch die Aktionsform Segeln um auf das Problem des CO2 Ausstoßes aufmerksam zu machen ist für mich perfekt gewählt.

Links:

Paz Verde – Building one World e.V.
Verein Jugendsegeln e.V.

Dieser Blogpost habe ich für Germanwatch.org geschrieben. Hier wird er in den nächsten Tagen erscheinen.

Was ist da eigentlich los, wir richten diese Welt zugrunde und worum es wirklich geht interessiert keine Sau…

Mein Trip nach Kopenhagen:

Es ist Freitag Abend in Göttingen, in aller Schnelle tippe ich noch einen Blogeintrag und laufe dann zum Bahnhof, auf nach Kopenhagen.
Über Lüneburg geht es in Richtung Fehmarn, ich waceh auf als wir in Puttgarden auf die Fähre wollen und von einem Großaufgebot an Grenzschützern gestoppt werden. Die Polizei durchwühlt unseren Bus, kontrolliert Ausweise und lässt uns dann doch, nach einer ziemlich langen Wartezeit, auf die Fähre fahren. Da wir im Konvoi mit drei Bussen gefahren sind und der dritte es, aufgrund der Polizeiaktion, nicht auf die Fähre schafft warten wir auf Dänischer Seite auf die anderen.
Und weiter geht’s. Gegen 6 Uhr Morgens erreichen wir dann endlich Kopenhagen und dort die für die Demonstranten bereitgestellten Massenunterkünfte. In diesen Unterkünften schlafen 2500 Menschen auf engem Raum in einer unbeheizten Fabrikhalle. Es gibt zwei Toiletten und eine „VoKü“. Zu allem Überfluss will die Dänische Regierung, die diese Unterkünfte so bereitwillig zur Verfügung gestellt hat, plötzlich doch Miete haben (was daraus geworden ist wieß ich nicht).

IMAG0574Nach Kurzen 2 Stunden Schlaf stehen wir auf um uns in die Blaue Welle (Demonstration um 10 Uhr) einzureihen. Wir verlaufen uns zwar, laufen dann aber noch den Großteil der Route mit. Ich bin etwas enttäuscht über die relativ geringe Anzahl an Demonstrationsteilnehmer_innen, hatte ich doch damit gerechnet, dass in Kopenhagen tausende, aktive Menschen sind.
Diese Enttäuschung löst sich dann gegen 13 Uhr aber in Hochstimmung auf. 100.000 Demonstranten finden sich auf dem Platz vor dem dänischen Parlament ein um an der Hauptdemonstration zum Klimagipfel teil zu nehmen.
Einhunderttausend Menschen! Alle kämpfen für ein neues Bewusstsein im Klimaschutz!
Wenn man allerdings genau hinsieht fragt man sich, wo kommen die alle her? Was wollen diese Menschen wirklich? Und ruhen sie sich vielleicht darauf aus, was die Regierung macht bzw. nicht macht?

Man hört alle erdenklichen Sprachen, Fahnen und Banner sind mit Sprüchen auf Englisch, Spanisch, Japanisch und vielen weiteren bedruckt.
Doch auf das erste Glücksgefühl über eine einheitliche, internationale Bewegung stellt sich die Irritation ein. Sind etwa all diese Menschen hierher geflogen? Ein großes Stück Umweltzerstörung für ein kleines bisschen Protest? Eine Gruppe Australier_innen demonstrieren gegen den Kohleabbau ihrer Regierung, haben aber selber eine große Menge CO2 auf ihrer Reise nach Europa in die Atmosphäre gepustet.
Neben mir holt sich jemand erstmal einen Kebab, lecker Fleisch, Klimakiller #1…
Und wo wandern wir eigentlich entlang? Seit einer Stunde schon marschieren 100.000 Menschen durch die Kopenhagener Vorstadt. Hier gibt es nur Industrien und ab und zu mal einen Wohnblock. Hier sieht uns niemand.
Als es dunkel wird erreichen wir dann das Bella Centre. Hier sitzen sie also, wichtige Menschen aus Politik und Wirtschaft, Lobbyist_innen, Blogger_innen und irgend welche anderen, die einfach da sind und von denen niemand weiß, was die tun.
Der Tagungsort ist weiträumig abgesperrt und eine überdimensionierte Bühne ist mitten auf der Straße aufgebaut. Auf dieser Bühne werden uns diverse „Veterans in the fight for climate justice“ angekündigt, unter anderem die ehemalige isländische Präsidentin, eine junge Studentin, ein Sprecher der Indigenen aus Amerika und noch ein paar dänische Politiker (die zu allem Überfluss auch noch auf dänisch sprechen).
Es werden Appelle an die Mächtigen dieser Welt heraus gegeben, eine Einigung, ein „Green Deal“ gefordert und es wird sich bei uns bedankt, dass wir alle gekommen sind und gezeigt haben, dass es so nicht weiter gehen kann!
Nach einer Stunde wird mir kalt und langweilig sind die Reden ja sowieso, also wende ich mich von der Bühne ab und trete den Rückweg in die Innenstadt an.
Die Straße vor der Bühne ist verdreckt, leere Bierdosen liegen herum, und einige Grüppchen verbrennen ihre Plakate und Schilder. Noch mehr von diesen Plakaten liegen links und rechts der Straße im Gebüsch.
Die Demo ist ja schließlich vorbei. Was will man da noch mit dem Kram.
Es liegt ja jetzt sowieso alles in den Händen der Politiker!?!

Auf meinem Rückweg in die Stadt, ich bin auf dem Traditionssegler Hansine zum Abendessen eingeladen, komme ich an „Hopenhagen“ vorbei.
Hopenhagen ist eine kleine Kontainersiedlung mitten auf dem Rathausplatz in Kopenhagens Zentrum. Gesponsert wir das Projekt von den größten Umweltverschmutzern der Welt, Vattenfall (nicht auf der Homepage aufgeführt), Simens, BMW, SAP, etc…
Das hier ist „Greenwashing“ vom aller feinsten und große Menschenmassen lassen sich hier, verzückt, darüber beraten, wie toll ökologisch und umweltbewusst diese oben genannten Konzerne doch sind.
Hallo?? Gehirn?
Ich möchte eine Dose Sprühlack haben und das Große Schild „Hopenhagen“ in „Dopenhagen“ ändern. Opium für’s Volk, etwas anderes ist das nicht.
Radikal umdenken, Leute… Checkt’s endlich mal!!

IMAG0587Der Linseneintopf auf der Hansine lasse ich mir dann aber doch schmecken und die Einladung, auf der Carola mit nach Kiel zu segeln nehme ich gerne an. Was soll ich noch hier, hier wird der Kampf um unserern Planeten nicht gewonnen. Und mit einer Klimaneutralen Rückreise auf einem Segelschiff habe ich mehr erreicht (schon alleine für mich), als wenn ich weiter durch Kopenhagen irre und mich von diesen oder jenen Lobbyist_innen (die bestimmt alle mit dem Flugzeug gekommen sind) zum Klimaschutz auffordern lasse…

Vielen Dank Kopenhagen, wenn auch sonst nichts rausgekommen ist (Floppenhagen!!) so weiß ich doch inzwischen, dass wir ganz andere Wege finden müssen um unseren Planeten zu retten. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit ganzem Körpereinsatz.
Wir können nicht auf China und die USA schimpfen um uns dann selber in Untätigkeit zu üben, wir müssen handeln! Act now, jede_r von uns!

Zum weiterlesen:
Paz Verde Flensburg – Building One World
Klimapiraten
Jugendsegeln. e.V.

In drei Stunden geht es für mich los. Auf nach Kopenhagen! Ich bin gespannt, was mich erwarten wird. Kälte, Regen, Frustration oder Aktion, Diskussion und Hochgefühl?
Seit 15 Jahren versuchen sich Politiker von überall, rund um den Globus, auf eine gemeinsame Linie im Klimaschutz zu einigen, aber noch nie haben die Zeichen so sehr in eine Richtung gezeigt, die mehr Klimaschutz und weniger Umweltzerstörung möglich machen kann.
Deshalb ist es für mich auch um so wichtiger nach Kopenhagen zu fahren, zu demonstrieren und den „Mächtigen“ dieser Welt zu zeigen, das es so wie bisher nicht weitergeht.
Gerade jetzt ist es wichtig ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass sich die Welt sehr bald von uns verabschieden wird, wenn wir so weiter machen, wie bisher.
Es muss gravierende Einschnitte in Industrie und Lebensstil geben und das müssen unsere Präsident_innen und Kanzler_innen langsam mal akzeptieren und auch so handeln.
Es muss ein globales Umdenken stattfinden, in Entwickelten, ebenso wie in Entwicklungsländern, müssen erneuerbare Energien und umweltschonende Produktionsmethoden gefördert und umweltverschmutzende reglementiert werden.
Es ist zeit zum Umdenken, neue Wege müssen beschritten werden.
Dafür kämpfe ich, in Kopenhagen ebenso, wie hier.

Auf nach Kopenhagen, ich bin soweit……

Die Suche nach Frieden und Normalität in Uganda. Rückkehr in eine Sackgasse?

In Uganda, einem kleinen Land in Ostafrika, haben Militärgewalt und Bürgerkrieg in den vergangenen zwanzig Jahren das Leben der Bewohner maßgeblich geprägt. Kriegerische Auseinandersetzungen sind nach wie vor vielerorts an der Tagesordnung, und eine Ausgabe der Tageszeitung, in der nicht von Opfern einer Schießerei berichtet wird, ist selten.

Als 2006 in Juba (Südsudan) ein Friedensvertrag unterschrieben wurde und die letzten Widerstandskämpfer aufgaben oder in den Kongo flohen, endete nach zwei Jahrzehnten ein erbitterter Krieg. Ausgetragen worden war er zwischen der Widerstandsarmee, Lords Resistance Army (LRA), und der ugandischen Regierungsarmee in Nord Uganda. Das Ergebnis waren 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge1, tausende Tote und eine große Zahl ehemaliger Kindersoldaten, die die Versklavung und den Krieg traumatisiert überlebten.

Heute, drei Jahre später, leben immer noch ca. 400.000 Menschen in den ursprünglichen Flüchtlingslagern. Etwa 250.000 ehemalige Flüchtlinge haben sich in so genannten Transit sites niedergelassen2. Die ugandische Regierung forciert die ‚Rückkehr‘ der ehemaligen Flüchtlinge in ihre Ursprungsdörfer und auch die in der Region arbeitenden NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) haben mittlerweile ihre Unterstützung in den Flüchtlingslagern gestoppt, dies geschah nicht immer freiwillig.

‚Zurück zur Normalität‘ lautet die von der Regierung propagierte Devise. Doch was steckt dahinter? Gibt es unter diesen Umständen überhaupt so etwas wie Normalität?
Über 90 % der Population der von dem Krieg am massivsten betroffenen Gebiete, leben seit mindestens zehn Jahren (einige schon seit 20 Jahren) in Flüchtlingslagern. Dabei ist mehr als die Hälfte dieser Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Ein Großteil der Bewohner des Kriegsgebietes haben noch nie Frieden bewusst erfahren können und bis heute ihren Alltag nur mit dem bestritten, was ihnen das World Food Programme und andere Organisationen zur Verfügung stellten.
Wer nun nicht verhungern will muss dorthin zurückkehren, wo seine Vorfahren einmal Land besessen haben, um dort einen Garten zu bestellen. Doch diese Arbeit ist sehr hart und ineffektiv und vielerorts gibt es keine funktionierenden Brunnen mehr. Kranke müssen meist Tagesmärsche hinter sich bringen um zum nächsten Health Center zu gelangen.
Wer die körperlichen Kapazitäten für diese schwere Arbeit und die weiten Wege nicht aufbringen kann, lebt von den Abfällen und Almosen der anderen.
Die Menschen in den ehemaligen Flüchtlingslagern erzählen davon, dass täglich einzelne Personen oder ganze Familien zurückkehren, da sie in ihren Dörfern nicht überleben könnten.
Normalität bedeutet für viele Vertriebene unterdessen das Leben im Lager. Die hingegen von der Regierung diktierte Normalität hat das Leben, ‚Äöwie es früher einmal war‚Äô, zum Ideal. Dieses verklärte Paradigma ist jedoch unter den gegebenen Umständen nicht umsetzbar, ohne den sowieso schon geringen Lebensstandard der Menschen vollends aufs Spiel zu setzten. Mag es auch damals besser gewesen sein, die Erinnerungen der meisten Menschen reichen oft nicht mehr bis zu dieser Vorkriegszeit zurück. Somit wird ein Umdenken zwingend notwendig: die entwurzelte Bevölkerung braucht neue Konzepte, statt überholter humanitärer Strategien.
In der Realität ist man jedoch noch weit entfernt von einem Umdenken, NGOs mit Konzepten abseits der staatlichen Vorstellungen laufen oft sogar Gefahr, durch restriktive Arbeitsverbote eingeschränkt zu werden.
Für die Menschen in den Lagern gibt es noch keine Chance auf Frieden und Normalität, obwohl der Krieg nun offiziell seit drei Jahren als beendet gilt. Erst wenn auch von Seiten der Regierenden die Einsicht geteilt wird, dass es kein simples ‚Äözurück und weiter wie bisher‚Äô geben kann, werden die Menschen ihren Frieden finden können. Doch Normalität kann und wird es dann noch lange nicht geben. In einem traumatisierten Land, das hierfür zuerst einmal zu sich selbst finden muss liegt die Chance hierzu einzig in einer Rückkehr auf neuen Wegen.

  1. Quelle: http://www.internal-displacement.org/8025708F004CE90B/(httpCountries)/04678346A648C087802570A7004B9719?OpenDocument (Stand 27.08.09) [zurück]
  2. Quelle: http://www.internal-displacement.org/idmc/website/countries.nsf/(httpEnvelopes)/2439C2AC21E16365C125719C004177C7?OpenDocument (Stand 27.08.09) [zurück]

P.S.: Diesen Artikel habe ich für die Zeitschrift Der Igel geschrieben, wurde aber (aus schlampigkeit, wie mir versichert wurde) nicht abgedruckt…

Edit: Der Artikel erscheint jetzt in der nächsten Der Igel Ausgabe, Anfang 2010…

Dieses Video trifft es auf den Punkt:

(via No Nazi)

Dieser Werbespot gefällt mir…

http://europa.gruene-jugend.de/

Ein nettes, kurzes Video von Greenpeace zur Kampagne gegen Waldzerstörung durch Papierfirmen wie Kimberly-Clark in Kanada:

Link


„Wir sind keine Terroristen!“ sagt Herr R. als wir im Auto sitzen und ich mit ihm, dem Koch aus Sri Lanka durch die Stadt fahre.
Herr R. ist Tamil, arbeitet 18h am Tag in zwei unterschiedlichen Deutschen Restaurants. Er bereitet Salate, Würstchen und Pommes zu, was in einer deutschen Kneipe so auf den Tisch kommt.
Heute will er für uns etwas einheimisches Kochen.

In Sri Lanka herrscht Bürgerkrieg und niemanden scheint das mehr so richtig zu interessieren. In den letzten Monaten haben die Kämpfe drastisch zu genommen und jeden Tag sterben Zivilisten. Tausende Menschen bangen täglich um ihr Leben.
Die LTTE (Libaration Tigers of Tamil Eelam) liefern sich im Norden und Osten Sri Lankas häftige Kämpfe mit den Riegierungstruppen; sie wollen „ihr Land“ zurück erobern.
Die Frage nach Recht und Unrecht zu stellen ist müßig, es gibt kein Schwarz-Weiß und Verlierer sind am Ende sowieso alle.

Herr R. möchte für seine Landsleute sensibilisieren. „In Deutschland hört man immer wir seien Terroristen, aber wir Kämpfen nur für unser Recht.“
Er erzählt mir, von den Ungerechtigkeiten, die seinen Verwandten und Freunden wiederfahren seien, dass die Regierung Sri Lankas die Tamilen wie Menschen zweiter Klasse behandeln würde und Arbeit und Ausbildung bekämen bei gleicher Qualifikation auf jeden Fall die Singhalesen und nicht die Tamilen.

Herr R. wünscht sich, dass alle Menschen Sri Lankas wieder glücklich und gleichberechtigt zusammen leben. Es muss Frieden geben und zwar bald.
„Es ist eine sehr schlimme Zeit, das muss sich ändern.“

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Links: BBC ‚Six arrests at Tamil London Demo‘, Live Stream from Tamil London Demo
Wikipedia: Sri Lanka, Tamil Eelam, Tamilen

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