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Als ich vor einigen Wochen in Guinea war, um ein Projekt zu besuchen, war es bereits da; dieses Gefühl von Ohnmacht, von angespanntem Warten und Hoffen darauf, dass nach den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen nichts schlimmeres passieren wird.

Vorgestern hat nun die Wahlkommission des Landes das Ergebnis verkündet. Gewonnen hat der ehemalige Oppositionsführer Alpha Condé, allerdings mit 52,5 Prozent denkbar knapp (in einer Stichwahl). Die Frage, was jetzt passieren wird ist groß. Der Verlierer und ehemalige Premierminister Cellou Dallein Diallo hat angekündigt die Wahl vor dem Gericht anzufechten und seine Anhänger_innen zur Ruhe aufgerufen; zumindest bis dahin. Die meisten Militärs hingegen scheinen sich glücklicherweise mit der Situation abgefunden zu haben und stehen dem neuen Präsidenten offen gegenüber.

Dennoch kommt es bereit jetzt zu ersten Ausschreitungen, Schießereien zwischen den Anhänger_innen Diallos und den Soldaten, sowie vereinzelten Übergriffen der jeweils einen Fraktion auf die andere. Das Problem ist, dass in diesem Konflikt sich zwei Bevölkerungsgruppen gegenüber stehen, die beide ihren Anteil vom Kuchen abbekommen wollen und der Kuchen scheint groß.

Der Reichtum an Bodenschätzen macht dieses Land arm und zermürbt es. Ausländische Wirtschaftsinteressen fokussieren sich einzig auf die hohen Rohstofvorkommen (v.a. Bauxit), die eigene Wirtschaft wurde bis in die 80er Jahre hinein vollständig errodiert und bis heute hat sich diese nicht wieder aufrichten können. Wer die Macht über die Verteilung der Rohstoffvorkommen und die Verträge mit den ausländischen Firmen hat kann sich schnell bereichern.

Viele hoffen darauf, dass sich mit der neuen demokratischen Regierung alles ändern wird. Jede_r in diesem Land hofft auf den großen Sprung, die Erlösung von allem Übel. Allerdings nur mit dem eigenen Präsidenten an der Spitze, es könnte ja doch etwas schief gehen.

Ob sich etwas ändern wird wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen und es bleibt zu hoffen, dass es zu keinen größeren Ausschreitungen kommt. Die Bevölkerung Guineas muss feststellen, dass sie nur gemeinsam etwas erreichen kann, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Ich hoffe das Land kann den Aufbruch schaffen, ohne dabei in Korruption und Bürgerkrieg zu versinken.

Aktuelle Infos: auf Taz.de

Edit: Ein wirklich interessanter Artikel dazu: IRINnews.com

Die Suche nach Frieden und Normalität in Uganda. Rückkehr in eine Sackgasse?

In Uganda, einem kleinen Land in Ostafrika, haben Militärgewalt und Bürgerkrieg in den vergangenen zwanzig Jahren das Leben der Bewohner maßgeblich geprägt. Kriegerische Auseinandersetzungen sind nach wie vor vielerorts an der Tagesordnung, und eine Ausgabe der Tageszeitung, in der nicht von Opfern einer Schießerei berichtet wird, ist selten.

Als 2006 in Juba (Südsudan) ein Friedensvertrag unterschrieben wurde und die letzten Widerstandskämpfer aufgaben oder in den Kongo flohen, endete nach zwei Jahrzehnten ein erbitterter Krieg. Ausgetragen worden war er zwischen der Widerstandsarmee, Lords Resistance Army (LRA), und der ugandischen Regierungsarmee in Nord Uganda. Das Ergebnis waren 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge1, tausende Tote und eine große Zahl ehemaliger Kindersoldaten, die die Versklavung und den Krieg traumatisiert überlebten.

Heute, drei Jahre später, leben immer noch ca. 400.000 Menschen in den ursprünglichen Flüchtlingslagern. Etwa 250.000 ehemalige Flüchtlinge haben sich in so genannten Transit sites niedergelassen2. Die ugandische Regierung forciert die ‚Rückkehr‘ der ehemaligen Flüchtlinge in ihre Ursprungsdörfer und auch die in der Region arbeitenden NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) haben mittlerweile ihre Unterstützung in den Flüchtlingslagern gestoppt, dies geschah nicht immer freiwillig.

‚Zurück zur Normalität‘ lautet die von der Regierung propagierte Devise. Doch was steckt dahinter? Gibt es unter diesen Umständen überhaupt so etwas wie Normalität?
Über 90 % der Population der von dem Krieg am massivsten betroffenen Gebiete, leben seit mindestens zehn Jahren (einige schon seit 20 Jahren) in Flüchtlingslagern. Dabei ist mehr als die Hälfte dieser Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Ein Großteil der Bewohner des Kriegsgebietes haben noch nie Frieden bewusst erfahren können und bis heute ihren Alltag nur mit dem bestritten, was ihnen das World Food Programme und andere Organisationen zur Verfügung stellten.
Wer nun nicht verhungern will muss dorthin zurückkehren, wo seine Vorfahren einmal Land besessen haben, um dort einen Garten zu bestellen. Doch diese Arbeit ist sehr hart und ineffektiv und vielerorts gibt es keine funktionierenden Brunnen mehr. Kranke müssen meist Tagesmärsche hinter sich bringen um zum nächsten Health Center zu gelangen.
Wer die körperlichen Kapazitäten für diese schwere Arbeit und die weiten Wege nicht aufbringen kann, lebt von den Abfällen und Almosen der anderen.
Die Menschen in den ehemaligen Flüchtlingslagern erzählen davon, dass täglich einzelne Personen oder ganze Familien zurückkehren, da sie in ihren Dörfern nicht überleben könnten.
Normalität bedeutet für viele Vertriebene unterdessen das Leben im Lager. Die hingegen von der Regierung diktierte Normalität hat das Leben, ‚Äöwie es früher einmal war‚Äô, zum Ideal. Dieses verklärte Paradigma ist jedoch unter den gegebenen Umständen nicht umsetzbar, ohne den sowieso schon geringen Lebensstandard der Menschen vollends aufs Spiel zu setzten. Mag es auch damals besser gewesen sein, die Erinnerungen der meisten Menschen reichen oft nicht mehr bis zu dieser Vorkriegszeit zurück. Somit wird ein Umdenken zwingend notwendig: die entwurzelte Bevölkerung braucht neue Konzepte, statt überholter humanitärer Strategien.
In der Realität ist man jedoch noch weit entfernt von einem Umdenken, NGOs mit Konzepten abseits der staatlichen Vorstellungen laufen oft sogar Gefahr, durch restriktive Arbeitsverbote eingeschränkt zu werden.
Für die Menschen in den Lagern gibt es noch keine Chance auf Frieden und Normalität, obwohl der Krieg nun offiziell seit drei Jahren als beendet gilt. Erst wenn auch von Seiten der Regierenden die Einsicht geteilt wird, dass es kein simples ‚Äözurück und weiter wie bisher‚Äô geben kann, werden die Menschen ihren Frieden finden können. Doch Normalität kann und wird es dann noch lange nicht geben. In einem traumatisierten Land, das hierfür zuerst einmal zu sich selbst finden muss liegt die Chance hierzu einzig in einer Rückkehr auf neuen Wegen.

  1. Quelle: http://www.internal-displacement.org/8025708F004CE90B/(httpCountries)/04678346A648C087802570A7004B9719?OpenDocument (Stand 27.08.09) [zurück]
  2. Quelle: http://www.internal-displacement.org/idmc/website/countries.nsf/(httpEnvelopes)/2439C2AC21E16365C125719C004177C7?OpenDocument (Stand 27.08.09) [zurück]

P.S.: Diesen Artikel habe ich für die Zeitschrift Der Igel geschrieben, wurde aber (aus schlampigkeit, wie mir versichert wurde) nicht abgedruckt…

Edit: Der Artikel erscheint jetzt in der nächsten Der Igel Ausgabe, Anfang 2010…


„Wir sind keine Terroristen!“ sagt Herr R. als wir im Auto sitzen und ich mit ihm, dem Koch aus Sri Lanka durch die Stadt fahre.
Herr R. ist Tamil, arbeitet 18h am Tag in zwei unterschiedlichen Deutschen Restaurants. Er bereitet Salate, Würstchen und Pommes zu, was in einer deutschen Kneipe so auf den Tisch kommt.
Heute will er für uns etwas einheimisches Kochen.

In Sri Lanka herrscht Bürgerkrieg und niemanden scheint das mehr so richtig zu interessieren. In den letzten Monaten haben die Kämpfe drastisch zu genommen und jeden Tag sterben Zivilisten. Tausende Menschen bangen täglich um ihr Leben.
Die LTTE (Libaration Tigers of Tamil Eelam) liefern sich im Norden und Osten Sri Lankas häftige Kämpfe mit den Riegierungstruppen; sie wollen „ihr Land“ zurück erobern.
Die Frage nach Recht und Unrecht zu stellen ist müßig, es gibt kein Schwarz-Weiß und Verlierer sind am Ende sowieso alle.

Herr R. möchte für seine Landsleute sensibilisieren. „In Deutschland hört man immer wir seien Terroristen, aber wir Kämpfen nur für unser Recht.“
Er erzählt mir, von den Ungerechtigkeiten, die seinen Verwandten und Freunden wiederfahren seien, dass die Regierung Sri Lankas die Tamilen wie Menschen zweiter Klasse behandeln würde und Arbeit und Ausbildung bekämen bei gleicher Qualifikation auf jeden Fall die Singhalesen und nicht die Tamilen.

Herr R. wünscht sich, dass alle Menschen Sri Lankas wieder glücklich und gleichberechtigt zusammen leben. Es muss Frieden geben und zwar bald.
„Es ist eine sehr schlimme Zeit, das muss sich ändern.“

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Links: BBC ‚Six arrests at Tamil London Demo‘, Live Stream from Tamil London Demo
Wikipedia: Sri Lanka, Tamil Eelam, Tamilen

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