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Procure IT Fair petition

Bereits im April letzten Jahres habe ich von der Kampagne BuyIT-Fair berichtet die sich für bessere Arbeitsbedingungen und Umweltschutz in der IT-Produktion einsetzt.

Jetzt gibt es von dieser Kampagne, auf der Homepage procureitfair.org eine Petition, die sich für die Einführung von sozialen Standards für die Anschaffung von Computern mit öffentlichen Mitteln, besonders an Universitäten einsetzt.
Auf http://procureitfair.org/petition/german kann man diese mitzeichnen.

Diese Petition soll an diverse Deutsche und Internationale Hochschulen geschickt werden. Sie zu unterschreiben ist ein erster Schritt in Richtung fairer Arbeitsbedingungen, die gerade in der IT-Technik noch sehr schlecht sind.

Als ich vor einigen Wochen in Guinea war, um ein Projekt zu besuchen, war es bereits da; dieses Gefühl von Ohnmacht, von angespanntem Warten und Hoffen darauf, dass nach den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen nichts schlimmeres passieren wird.

Vorgestern hat nun die Wahlkommission des Landes das Ergebnis verkündet. Gewonnen hat der ehemalige Oppositionsführer Alpha Condé, allerdings mit 52,5 Prozent denkbar knapp (in einer Stichwahl). Die Frage, was jetzt passieren wird ist groß. Der Verlierer und ehemalige Premierminister Cellou Dallein Diallo hat angekündigt die Wahl vor dem Gericht anzufechten und seine Anhänger_innen zur Ruhe aufgerufen; zumindest bis dahin. Die meisten Militärs hingegen scheinen sich glücklicherweise mit der Situation abgefunden zu haben und stehen dem neuen Präsidenten offen gegenüber.

Dennoch kommt es bereit jetzt zu ersten Ausschreitungen, Schießereien zwischen den Anhänger_innen Diallos und den Soldaten, sowie vereinzelten Übergriffen der jeweils einen Fraktion auf die andere. Das Problem ist, dass in diesem Konflikt sich zwei Bevölkerungsgruppen gegenüber stehen, die beide ihren Anteil vom Kuchen abbekommen wollen und der Kuchen scheint groß.

Der Reichtum an Bodenschätzen macht dieses Land arm und zermürbt es. Ausländische Wirtschaftsinteressen fokussieren sich einzig auf die hohen Rohstofvorkommen (v.a. Bauxit), die eigene Wirtschaft wurde bis in die 80er Jahre hinein vollständig errodiert und bis heute hat sich diese nicht wieder aufrichten können. Wer die Macht über die Verteilung der Rohstoffvorkommen und die Verträge mit den ausländischen Firmen hat kann sich schnell bereichern.

Viele hoffen darauf, dass sich mit der neuen demokratischen Regierung alles ändern wird. Jede_r in diesem Land hofft auf den großen Sprung, die Erlösung von allem Übel. Allerdings nur mit dem eigenen Präsidenten an der Spitze, es könnte ja doch etwas schief gehen.

Ob sich etwas ändern wird wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen und es bleibt zu hoffen, dass es zu keinen größeren Ausschreitungen kommt. Die Bevölkerung Guineas muss feststellen, dass sie nur gemeinsam etwas erreichen kann, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Ich hoffe das Land kann den Aufbruch schaffen, ohne dabei in Korruption und Bürgerkrieg zu versinken.

Aktuelle Infos: auf Taz.de

Edit: Ein wirklich interessanter Artikel dazu: IRINnews.com

Es ist Sonntag Abend. Ich befinde mich auf der Rückfahrt von Berlin nach Hannover und versuche mich an einem ersten Fazit des ersten Netzpolitischen Kongress der Grünen.

Jetzt ins Detail zu gehen fällt mir noch zu schwer. Ich bin ja auch mehr ein interessierter Laie (das klingt irgendwie nicht gut, aber mir fällt keine bessere Umschreibung ein) und war eher als Mitglied der Grünen Jugend da, denn als Netzpolitik-Profi.

Von der Eröffnungsrede von Renate Künast ist mir eigentlich nur noch die von vielen falsch verstandene Aussage in Erinnerung, „die Konservativen halten das Internet für eine Hafenkneipe.“ – Diese Aussage führte zu großem Aufruhr, da einige eifrige Twitteruser_innen verbreiteten „Künast hält das Internet für eine Hafenkneipe!“

Der Rest der Rede ging bei mir in einem allgemeinen Grünen-Bashing auf Twitter unter. Da dieses Bashing auch durch einige Twitteranten mit schwarzen Fahnen im Profilbild (Mitglieder der Piratenpartei) mitgetragen wurde, musste ich dann die Frage stellen „Ob die #Piraten wirklich ausschließlich zum #Pöbeln hier sind oder auch bock auf konstruktive Arbeit haben?“ Darauf folgend (@herrubach, @tobiasraff, @SlickRights, @LaviniaSt) habe ich dann mit Tobias und Lavinia eine Session für das Barcamp am Samstag, über Zusammenarbeit unter den Parteien in Punkto Netzpolitik vereinbart (dazu weiter unten mehr).

Etwas enttäuscht war ich im Anschluss von Saskia Sassen, die das Internet aus einem sozial-antropologischen Blickwinkel betrachtet, in ihrem Vortrag, meiner Meinung nach, jedoch sehr unstrukturiert und ausschweifend wurde. Viel Besser war dann Reto Hilty vom MPI für Geistiges Eigentum, der eine Keynote zum Thema Urheberrecht gehalten hat.

Ganz lustig fand ich ja das abendliche Gespräch zwischen Claudia Roth und (Prof.) Tim Renner über Mixtapes, Copyright und alte Zeiten. Die von vielen angeprangerte Irrelevanz des ganzen war für mich, zu so später Stunde, ehrlich gesagt ganz erfrischend. Einem schwerwiegenden Vortrag (womöglich auf Englisch), über Feinheiten von Gesetzesentwürfen und Kulturflatrate, hätte ich nicht mehr folgen können. (Aus dem Gespräch ist mir vor allem hängen geblieben, dass man den Track „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ von Selig kostenlos herunterladen kann.)

Nachdem ich in der Nacht von Freitag auf Samstag etwas zu lange wach war, war ich am Sonntag dann erst zum Mittagessen zurück im Paul-Löbe-Haus, so dass ich leider die ersten beiden Sessionspots des Barcamps verpasst habe.

Nach dem Mittagessen habe ich dann die Session zum Thema Liquid Democracy besucht. Hier haben die Administrator_innen von Adhocracy die Seite (und das Prinzip) liqd.net vorgestellt (u.a. auch am Beispiel der Grünen Jugend liqd.net-Seite, die ich noch nicht kannte). Diese Session war für mich super interessant und ich wäre gerne im Anschluss noch zur Session über Liquid Feedback (ein ähnliches Prinzip) gegangen, was leider nicht möglich war.

Um 14:30h begann dann „Meine“ Session zum Thema „Wie schaffen wir den politischen Kindergarten um und fördern ein konstruktives Vorgehen zwischen Parteien?“ (der Titel stammte von einer unbekannten Person aus dem Wiki zum nk10-Barcamp auf mixxt.de). Leider waren dort dann auch nur Tobias und Lavinia anwesend – andere Pirat_innen fanden wohl andere Sessions interessanter – dafür war die Diskussion aber um so fruchtbarer. In dieser Session – und auf dem gesamten Kongress eigentlich – konnte ich endlich meine Ressentiments gegen die Piratenpartei (zumindest größtenteils) Ausräumen. Die Piraten haben eben, wie jede andere Partei auch, so ihre Probleme mit unterschiedlichen Ansichten über Politik; die Grünen haben „Jamaika,“ die Piraten haben „Trolle.“ :)

In der Session haben wir drei einhellig besprochen die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Grünen/Grüner Jugend und den Piraten zu fördern. Ich glaube wir brauchen an fielen Stellen die Expertise der Piraten und die Piraten können bei uns auch mal in Politikbereiche ausserhalb des Netzes schnuppern… Gemeinsame Veranstaltungen zu Netzpolitischen und anderen Themen wären sowohl auf lokaler, als auch auf Landes- und Bundesebene förderungswürdig.

Nach dieser spannenden Diskussion habe ich dann den Workshop „Alles eine Frage der Macht: Sexismus im Netz“ mit Katrin Rönicke (maedchenmannschaft.net), Leena Simon (Piraten) und Monika Lazar (Grüne) besucht. Dieser war für meinen Geschmack etwas sehr diffus. Man konnte sich leider nicht richtig auf einen gemeinsamen Diskussionsschwerpunkt einigen. Nach einer guten Einführung zum Sexismus-begriff und Sexismus im Internet durch Katrin folgte ein etwas Diffuser Vortrag von Leena mit dem Fazit, man müsse Trolle und (echte) Sexist_innen im Internet differenzieren (obwohl diese sich gegenseitig Futter geben). Die anschließende Diskussion sprang stark zwischen den Themen hin und her, so zum Beispiel die Frage ob Frauen im Internet unterrepräsentiert seien oder nur „totgeschwiegen“ würden. Auf den eigentlichen Titel der Veranstaltung wurde leider nur am Rande eingegangen und ein konkretes Fazit oder zumindest Handlungsanweisungen gab es dann auch nicht.

Die kurze Runde in der die Ergebnisse der Workshops präsentiert wurden fand ich wirklich gut (richtungsweisend von welchem der Workshops ich noch eine Audioaufzeichnung hören möchte), wurde aber im allgemeinen ‚auf das Abendessen warten‘ nicht ausreichend gewürdigt.

Nach der Abendessen-Pause ging es dann mit Open-Data und Open-Government weiter. Leider war ich etwas müde, so dass mir nicht vieles in Erinnerung geblieben ist.

Insgesamt gesehen verläuft mein Fazit ähnlich wie das von einigen anderen auch. Netzpolitisch stecken die Grünen noch immer in den ‚Kinderschuhen‘ und dennoch war dieser Kongress ein Schritt in die richtige Richtung. Mal davon abgesehen, dass ein Barcamp im Paul-Löbe-Haus wirklich etwas wiederholenswertes ist, ist es wichtig die Erfahrungen und Meinungen auf diese Art und Weise zu vernetzen und die Zusammenarbeit (Stichwort Konsens) voran zu treiben. Leider kamen die Diskussionen an vielen Stellen zu kurz  und die einzelnen Spots des Barcamps hätten etwas länger (und zumindest mit 5 Minutenpausen) sein können. Das die Workshops parallel zu dem Barcamp waren war natürlich ärgerlich. Wären die Workshops mehr in das Barcamp eingegliedert gewesen (gleicher Stellenwert auch bei der Publikation wie die Sessions) wäre das möglicherweise nicht mehr so sehr aufgefallen.

Am Ende kann ich auch nur sagen: Weitermachen!

 

P.S.: Zu empfehlen sind neben Gedankenstücke auch die Artikel von Hyperland und Tobias Hößl (mit Fotos).

Südspange Nein Danke! #gjbuko, ursprünglich hochgeladen von jntns

Über 350 Menschen, demonstrieren mit einer Menschenkette auf der geplanten Trasse gegen den Bau der Südspange! Mit dabei sind auch die Teilnehmenden des Bundeskongresses der GRÜNEN JUGEND.

Heute beginnt der große Bundeskongress, bzw. „Visionskongress,“ der GRÜNEN JUGEND in Göttingen.

Dieser Bundeskongress (BuKo)BuKo Göttingen wird ein Kongress ungeahnten Ausmaßes sein. Mit jetzt schon knapp 500 Anmeldungen, über 40 Workshops, Vorträgen und Diskussionen (in drei Blöcken) und einem Zeitraum von vier Tagen, denn Montag ist Pfingsten, wird der BuKo größer, bunter und spannender, als alle anderen Kongresse zuvor.

Am Samstag Abend hat die Lokale Basisgruppe eine kleiner Party in der Barracuda und am Sonntag Abend eine größere im Club einsB organisiert.

Ganz besonders hervorzuheben sei noch die Aktion am Samstag Mittag, wo die GRÜNE JUGEND, zusammen mit Göttinger Bürger_innen eine Luftballondemo gegen den geplanten Bau einer Umgehungsstraße veranstalten wird.

Das Programm und weitere Infos gibt es auf der Homepage des Kongresses: http://kongress.morgengruen.org/

Ich freue mich schon und werde gleich zum Veranstaltungsort fahren um noch ein paar Dinge zu organisieren…

Es ist Samstag vormittag. Vor wenigen Stunden sind wir in Kopenhagen angekommen, die Temperaturen sind noch über 0 Grad und trotz Schlafmangels bin ich guter Dinge. Auf dem Weg zur 10 Uhr Demo erzählt mir eine Mitfahrerin, dass ihr Freund mit seinen Komiliton_innen aus Flensburg mit dem Segelschiff klimaneutral nach Kopenhagen gesegelt sind. Ich bin etwas Neidisch, unsere Fahrt ging zwar bestimmt schneller, aber wenn auch mit 50 anderen Menschen im Bus, so hat unsere Anreise dem Klima dennoch geschadet. Ausserdem bin ich ein waschechter Norddeutscher und segle für mein Leben gerne.

IMAG0582Nach der Demo treffen wir die Segler am Hafen. Sie laden uns zum Abendessen ein und ich zähle schonmal heimlich nach, ob die Anzahl der Besatzungsmitglieder mit den Kojenplätzen übereinstimmt. Nach nur wenigen Minuten am Hafen stelle ich fest, ich will mitsegeln, koste es was es wolle und beim Abendessen wird mir dann sogar ein freier Platz an Bord der Carola angeboten. Ich kann zurück nach Kiel segeln, großartig! Sofort hole ich meine Sachen aus der Massenunterkunft um schon die erste Nacht an Bord des Schiffes zu verbringen.

Das leichte Schunkeln des Bootes wiegt mich schon wenige Zeit später in einen ruhigen und erholsamen schlaf.

Am nächsten Morgen müssen wir früh aufstehen, denn die Besatzung der drei Boote Zuversicht, Hansine und Carola übergeben eine Petition die in Flensburg von Arved Fuchs mit an Bord gegeben wurde an Klaus Milke und Sven Harmeling von Germanwatch e.V., die diese dann an Norbert Röttgen übergeben.

Jetzt müssen wir als erstes das Schiff seetauglich machen. Das heißt, aufräumen, schrubben und alle Leinen und Segel überprüfen. Dann muss noch das große Vorsegel, die „Genua“, umgesetzt werden und unser Kapitän gibt noch eine letzte Sicherheitseinweisung.

Um halb eins am Sonntag Mittag heulen die Schiffssirenen kurz auf und die Zuversicht, Carola und Hansine verlassen im Konvoi den Hafen von Kopenhagen.

Als dann die Segel gesetzt sind und die Besatzung zur Ruhe kommt können wir die Nase in den Wind halten und dem platschen der Wellen am Bug lauschen. Diese Stimmung ist das, was für mich so reizvoll am Segeln ist. Ich bin eins mit dem Schiff, mit dem Wasser und dem Wind, der Lärm der Stadt ist weit weg, keine Autos, keine Menschen, keine Werbung und kein Neid.

IMAG0590Nach einigen Stunden wird es kühl und immer dunkler und wir müssen Wachen für die nächsten Stunden einteilen. Wir wollen die ganze Nacht durch segeln und so muss ständig ein Dreierteam an Deck bleiben um das Boot sicher in Richtung Kiel zu manövrieren. Wir wechseln uns ab, vier Stunden Team 1, dann wieder vier Stunden Team 2 und so weiter.

Während dieser Wachen ist viel Zeit über die vorangegangenen Tage zu reflektieren und sich über Sinn und Unsinn der Klimakonferenz zu unterhalten. Haben wir mit unserer Tour ein Zeichen setzen können? Immerhin wurde in einigen Zeitungen und im Fernsehen über uns berichtet. Vielleicht wurden dadurch bei einigen Leser_innen und Zuschauer_innen die Sinne für klimabewusstes Handeln gestärkt. Ich glaube, wenn jede_r Teilnehm_in der Klimakonferenz dort hin gesegelt wäre, hätte die Konferenz auch Ergebnisse bringen können. Wenn ich mir vorstelle, dass Hu Jintao, Angela Merkel und Barak Obama zusammen mit Nicolas Sarkozy und Hugo Chavez auf einem Zweimaster auf hoher See zur Zusammenarbeit gezwungen wären, frage ich mich ob das Boot untergehen würde. Vielleicht würden sie aber auch merken, dass es um ihr überleben geht und sich auf einen gemeinsamen Kurs einigen könnten.

Nach 30 Stunden Segeln erreichen wir Rødbyhavn am Fehmarn Belt. Eine Nacht lang werden wir hier festmachen. Die Mannschaft ist müde und unser Kapitän braucht dringend ein paar Stunden Schlaf.

Auf den letzten Seemeilen dänischen Küste kommen wir an einem riesigen Offshore-Windpark vorbei. Der Nysted Havmøllepark ist der größte Windpark Dänemarks und hat jetzt schon eine Leistung von über 160 MW. Mehrere Stunden ist dieser Windpark an unserer Steuerbordseite zu sehen und auf einer weiteren, mindestens ebenso großen Fläche ragen Betonfundamente aus dem Wasser, auf die in nächster Zeit weitere Windkraftanlagen gesetzt werden.

Nach einer Erholsamen Nacht in Rødbyhavn wollen wir weiter segeln. Leider sind wir unter Zeitdruck, da einige Mitreisende rechtzeitig in Kiel ankommen wollen. Leider haben wir Gegenwind bei stärkerem Seegang und müssen ein langes Stück mit dem Motor reisen. Doch nicht ganz klimaneutral, unsere Reise. Aber fast und der Versuch ist wichtig.

Für mich war die Reise ein Erlebnis, ich würde es sofort wieder machen, und auch die Aktionsform Segeln um auf das Problem des CO2 Ausstoßes aufmerksam zu machen ist für mich perfekt gewählt.

Links:

Paz Verde – Building one World e.V.
Verein Jugendsegeln e.V.

Dieser Blogpost habe ich für Germanwatch.org geschrieben. Hier wird er in den nächsten Tagen erscheinen.

Was ist da eigentlich los, wir richten diese Welt zugrunde und worum es wirklich geht interessiert keine Sau…

Mein Trip nach Kopenhagen:

Es ist Freitag Abend in Göttingen, in aller Schnelle tippe ich noch einen Blogeintrag und laufe dann zum Bahnhof, auf nach Kopenhagen.
Über Lüneburg geht es in Richtung Fehmarn, ich waceh auf als wir in Puttgarden auf die Fähre wollen und von einem Großaufgebot an Grenzschützern gestoppt werden. Die Polizei durchwühlt unseren Bus, kontrolliert Ausweise und lässt uns dann doch, nach einer ziemlich langen Wartezeit, auf die Fähre fahren. Da wir im Konvoi mit drei Bussen gefahren sind und der dritte es, aufgrund der Polizeiaktion, nicht auf die Fähre schafft warten wir auf Dänischer Seite auf die anderen.
Und weiter geht’s. Gegen 6 Uhr Morgens erreichen wir dann endlich Kopenhagen und dort die für die Demonstranten bereitgestellten Massenunterkünfte. In diesen Unterkünften schlafen 2500 Menschen auf engem Raum in einer unbeheizten Fabrikhalle. Es gibt zwei Toiletten und eine „VoKü“. Zu allem Überfluss will die Dänische Regierung, die diese Unterkünfte so bereitwillig zur Verfügung gestellt hat, plötzlich doch Miete haben (was daraus geworden ist wieß ich nicht).

IMAG0574Nach Kurzen 2 Stunden Schlaf stehen wir auf um uns in die Blaue Welle (Demonstration um 10 Uhr) einzureihen. Wir verlaufen uns zwar, laufen dann aber noch den Großteil der Route mit. Ich bin etwas enttäuscht über die relativ geringe Anzahl an Demonstrationsteilnehmer_innen, hatte ich doch damit gerechnet, dass in Kopenhagen tausende, aktive Menschen sind.
Diese Enttäuschung löst sich dann gegen 13 Uhr aber in Hochstimmung auf. 100.000 Demonstranten finden sich auf dem Platz vor dem dänischen Parlament ein um an der Hauptdemonstration zum Klimagipfel teil zu nehmen.
Einhunderttausend Menschen! Alle kämpfen für ein neues Bewusstsein im Klimaschutz!
Wenn man allerdings genau hinsieht fragt man sich, wo kommen die alle her? Was wollen diese Menschen wirklich? Und ruhen sie sich vielleicht darauf aus, was die Regierung macht bzw. nicht macht?

Man hört alle erdenklichen Sprachen, Fahnen und Banner sind mit Sprüchen auf Englisch, Spanisch, Japanisch und vielen weiteren bedruckt.
Doch auf das erste Glücksgefühl über eine einheitliche, internationale Bewegung stellt sich die Irritation ein. Sind etwa all diese Menschen hierher geflogen? Ein großes Stück Umweltzerstörung für ein kleines bisschen Protest? Eine Gruppe Australier_innen demonstrieren gegen den Kohleabbau ihrer Regierung, haben aber selber eine große Menge CO2 auf ihrer Reise nach Europa in die Atmosphäre gepustet.
Neben mir holt sich jemand erstmal einen Kebab, lecker Fleisch, Klimakiller #1…
Und wo wandern wir eigentlich entlang? Seit einer Stunde schon marschieren 100.000 Menschen durch die Kopenhagener Vorstadt. Hier gibt es nur Industrien und ab und zu mal einen Wohnblock. Hier sieht uns niemand.
Als es dunkel wird erreichen wir dann das Bella Centre. Hier sitzen sie also, wichtige Menschen aus Politik und Wirtschaft, Lobbyist_innen, Blogger_innen und irgend welche anderen, die einfach da sind und von denen niemand weiß, was die tun.
Der Tagungsort ist weiträumig abgesperrt und eine überdimensionierte Bühne ist mitten auf der Straße aufgebaut. Auf dieser Bühne werden uns diverse „Veterans in the fight for climate justice“ angekündigt, unter anderem die ehemalige isländische Präsidentin, eine junge Studentin, ein Sprecher der Indigenen aus Amerika und noch ein paar dänische Politiker (die zu allem Überfluss auch noch auf dänisch sprechen).
Es werden Appelle an die Mächtigen dieser Welt heraus gegeben, eine Einigung, ein „Green Deal“ gefordert und es wird sich bei uns bedankt, dass wir alle gekommen sind und gezeigt haben, dass es so nicht weiter gehen kann!
Nach einer Stunde wird mir kalt und langweilig sind die Reden ja sowieso, also wende ich mich von der Bühne ab und trete den Rückweg in die Innenstadt an.
Die Straße vor der Bühne ist verdreckt, leere Bierdosen liegen herum, und einige Grüppchen verbrennen ihre Plakate und Schilder. Noch mehr von diesen Plakaten liegen links und rechts der Straße im Gebüsch.
Die Demo ist ja schließlich vorbei. Was will man da noch mit dem Kram.
Es liegt ja jetzt sowieso alles in den Händen der Politiker!?!

Auf meinem Rückweg in die Stadt, ich bin auf dem Traditionssegler Hansine zum Abendessen eingeladen, komme ich an „Hopenhagen“ vorbei.
Hopenhagen ist eine kleine Kontainersiedlung mitten auf dem Rathausplatz in Kopenhagens Zentrum. Gesponsert wir das Projekt von den größten Umweltverschmutzern der Welt, Vattenfall (nicht auf der Homepage aufgeführt), Simens, BMW, SAP, etc…
Das hier ist „Greenwashing“ vom aller feinsten und große Menschenmassen lassen sich hier, verzückt, darüber beraten, wie toll ökologisch und umweltbewusst diese oben genannten Konzerne doch sind.
Hallo?? Gehirn?
Ich möchte eine Dose Sprühlack haben und das Große Schild „Hopenhagen“ in „Dopenhagen“ ändern. Opium für’s Volk, etwas anderes ist das nicht.
Radikal umdenken, Leute… Checkt’s endlich mal!!

IMAG0587Der Linseneintopf auf der Hansine lasse ich mir dann aber doch schmecken und die Einladung, auf der Carola mit nach Kiel zu segeln nehme ich gerne an. Was soll ich noch hier, hier wird der Kampf um unserern Planeten nicht gewonnen. Und mit einer Klimaneutralen Rückreise auf einem Segelschiff habe ich mehr erreicht (schon alleine für mich), als wenn ich weiter durch Kopenhagen irre und mich von diesen oder jenen Lobbyist_innen (die bestimmt alle mit dem Flugzeug gekommen sind) zum Klimaschutz auffordern lasse…

Vielen Dank Kopenhagen, wenn auch sonst nichts rausgekommen ist (Floppenhagen!!) so weiß ich doch inzwischen, dass wir ganz andere Wege finden müssen um unseren Planeten zu retten. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit ganzem Körpereinsatz.
Wir können nicht auf China und die USA schimpfen um uns dann selber in Untätigkeit zu üben, wir müssen handeln! Act now, jede_r von uns!

Zum weiterlesen:
Paz Verde Flensburg – Building One World
Klimapiraten
Jugendsegeln. e.V.

In drei Stunden geht es für mich los. Auf nach Kopenhagen! Ich bin gespannt, was mich erwarten wird. Kälte, Regen, Frustration oder Aktion, Diskussion und Hochgefühl?
Seit 15 Jahren versuchen sich Politiker von überall, rund um den Globus, auf eine gemeinsame Linie im Klimaschutz zu einigen, aber noch nie haben die Zeichen so sehr in eine Richtung gezeigt, die mehr Klimaschutz und weniger Umweltzerstörung möglich machen kann.
Deshalb ist es für mich auch um so wichtiger nach Kopenhagen zu fahren, zu demonstrieren und den „Mächtigen“ dieser Welt zu zeigen, das es so wie bisher nicht weitergeht.
Gerade jetzt ist es wichtig ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass sich die Welt sehr bald von uns verabschieden wird, wenn wir so weiter machen, wie bisher.
Es muss gravierende Einschnitte in Industrie und Lebensstil geben und das müssen unsere Präsident_innen und Kanzler_innen langsam mal akzeptieren und auch so handeln.
Es muss ein globales Umdenken stattfinden, in Entwickelten, ebenso wie in Entwicklungsländern, müssen erneuerbare Energien und umweltschonende Produktionsmethoden gefördert und umweltverschmutzende reglementiert werden.
Es ist zeit zum Umdenken, neue Wege müssen beschritten werden.
Dafür kämpfe ich, in Kopenhagen ebenso, wie hier.

Auf nach Kopenhagen, ich bin soweit……


www.ausgestrahlt.de

„Nach zwei Jahren Stillstand will der Stromkonzern Vattenfall den Pannen-Reaktor Krümmel bei Hamburg wieder in Betrieb nehmen. Das zuständige Sozialministerium in Kiel spricht von einem ‚Äûreinen Verwaltungsakt‚Äú. Wir sagen: Nein! Hier geht es darum, ob ein nachgewiesenermaßen unzuverlässiger Konzern ein gefährliches Atomkraftwerk, das als Neubau niemals mehr eine Genehmigung bekäme, wieder anfahren darf. Zeigen wir, dass wir damit nicht einverstanden sind!“
Mehr Infos und Mail-Aktion an die für Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD):
http://kruemmel.ausgestrahlt.de/

Dieser Werbespot gefällt mir…

http://europa.gruene-jugend.de/

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